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Wasserkraft – die nachhaltige Energie

Die Schweiz ist von der Natur mit Wasser gesegnet. Dank ihrer Höhenlage des Landes eignet sich dieses Wasser aber auch zur Stromgewinnung und deshalb auch zum Zankapfel. Denn die tausendfache Verbauung von Gewässern schadet der Artenvielfalt. Andererseits hat Wasser auch eine zerstörerische Kraft. Das Dossier über Wasserkraft weitet das Thema aus: Es widmet sich dem Gewässerschutz, der Stromnutzung, aber auch den Konflikten, die daraus entstehen. Es zeigt, wie sich ein Fluss verhält, wenn er seinen Weg frei wählt und widmet sich dem grossen Bauwerk: der Wiedererstellung eines lebendigen Alpenrheins 

 

 

Geschrieben von Martin Arnold

Königsweg intelligent Gewässer schützen

Daniel Heusser, Gewässerschutzexperte beim WWF Schweiz und Roger Pfammatter, Geschäftsführer des Schweizer Wasserwirtschaftsverbandes SWV diskutieren über die finanziellen Schwierigkeiten der Stromproduzenten und die Umweltinteressen. Gefragt sei ein schlauer Gewässerschutz.

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Staumauer Grande Dixence im Wallis, der grösste Stausee der Schweiz (Bild: Paul Kordwig)

 

Es sind seltsame Begleitumstände für dieses Gespräch. Die Wasserkraftnutzung zur Stromgewinnung steckt in einer so tief greifenden Krise, dass das Parlament als Überbrückung über fünf Jahre 120 Millionen Franken zuschiesst. Daniel Heusser, Sie müssen sich zurückhalten: Lieber Wasserkraft als Kohlekraft, richtig?

Daniel Heusser: Das stimmt, aber das heisst nicht, dass wir einen Schmusekurs mit den Wasserkraft-Produzenten pflegen. Im Gegenteil: Die Verhandlungen sind sehr viel härter geworden, weil der finanzielle Spielraum auf der anderen Seite des Tisches kleiner wurde. Wir streben immer die optimale Lösung für die Biodiversität an, und an unserer Seite steht das Gewässerschutzgesetz.

Roger Pfammatter: Ich erlebe die Umweltorganisationen oftmals als Verhinderer, die einfach ihre ureigenen Interessen vertreten. Da ist zu viel Frosch- und zu wenig Vogelperspektive. Überbordende Forderungen an die Wasserkraft sind letztlich ein energiepolitisches Eigengoal.  Jedenfalls fehlt mir der Tatbeweis, dass den Umweltorganisationen die Wasserkraft lieber ist als andere Energiequellen, wie die Kohle.

Daniel Heusser: Wir haben viel mehr Wasserkraft ermöglicht als verhindert.Der WWF kämpfte in der Vergangenheit für eine Dreckstromabgabe, also für eine Abgabe auch auf Kohlestrom. Das hätte die Probleme der Wasserkraft reduziert. Aber dies müssen wir in Zukunft besser in der Öffentlichkeit kommunizieren. Hinter der Realisierung vieler Projekte steckt ein Verhandlungsprozess, der manchmal hart ist und lange dauert. Aber am Schluss kann ein Projekt realisiert werden, das wirtschaftlich ist und der Umwelt so wenig wie möglich schadet.

Roger Pfammatter: Bereits die Wortwahl, dass Umweltverbände Wasserkraft „ermöglichen“ oder „verhindern“ können, spricht ja Bände über deren Selbstverständnis. Diesen Rahmen zu setzen ist ja eigentlich die Aufgabe der Politik und der staatlichen Institutionen.

 

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"Kein Schmusekurs": Dani Heusser, Gewässerschutzexperte beim WWF Schweiz

 

Wie lassen sich faire Parameter beschreiben?

Daniel Heusser: Die Artenvielfalt ist messbar, und wenn eine Massnahme die Stromproduktion um drei Prozent senkt, dafür aber die Artenvielfalt wesentlich erhöht, sollte sie getroffen werden. Dann darf dies nicht an ein bisschen weniger Einnahmen scheitern.

Roger Pfammatter: Im Moment ist bei der Stromproduktion sowieso nichts wirtschaftlich, was nicht subventioniert wird. Deshalb gibt es bei der Grosswasserkraft keine nennenswerten neuen Projekte. Und die vorhin erwähnte Unterstützung von 120 Millionen für die Wasserkraft ist angesichts der jährlichen Verluste von rund einer Milliarde Franken natürlich ein Tropfen auf einen sehr heissen Stein.


Der Grund für die schlechte wirtschaftliche Verfassung der Kraftwerke ist allerdings der europäische Strommarkt. Die nachhaltigen Energieliequellen Sonne und Wind werden vor allem in Deutschland in viel grösseren Mengen genutzt als gedacht.

Roger Pfammatter: Und dazu kommen noch die billigen Preise der fossilen Energie. Die Preise machen vor der Grenze genauso wenig halt wie der Strom. Wenn Deutschland grosse Mengen Strom aus erneuerbaren Energiequellen produziert, gleichzeitig aber auch Kohle verstromt, weil die aus den USA so billig importiert werden kann, bekommen wir ein Problem. Denn das mit Milliarden an direkten und indirekten Subventionen verursachte Überangebot senkt die Preise so tief, dass die eigentlich kostengünstige Wasserkraft nicht mehr mithalten kann.

Daniel Heusser: Deswegen sollten Kleinkraftwerke unter einem Megawatt nicht mehr gefördert werden. Unserer Meinung nach wird es sogar erst ab drei Megawatt interessant. Wobei ich einschränken möchte, dass es einige durchaus ökologische Projekte gibt. Aber demgegenüber stehen zu viele kleine Projekte in unberührten Seitentälern, die auch noch durch die gesetzlich verankerte Einspeisevergütung gefördert werden. Man sollte dieses Geld besser für Vergrösserungen oder Effizienzsteigerungen bestehender grosser Wasserkraftanlagen verwenden.

 

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"Schuss ins eigene Knie": Roger Pfammatter, Geschäftsführer des Schweizer Wasserwirtschaftsverbandes SWV.

 

In diese Richtung zielt der Beschluss der Parlamente, die nur grössere Anlagen unterstützen wollen.

Roger Pfammatter: Dagegen könnte noch das Referendum ergriffen werden. Aber der Beschluss des Parlaments für eine untere Fördergrenze bei einem Megawatt Leistung ist nachvollziehbar, und ich tauge nicht zur Verteidigung der Kleinstanlagen. Sie produzieren zwar deutlich mehr pro Förderfranken als Photovoltaik- oder Windanlagen. Aber 98 Prozent der Schweizer Wasserkraftproduktion stammen von den 400 grossen Anlagen mit mehr als einem Megawatt installierter Leistung – das ist wirklich relevant. Die mit Subventionen gepushten Kleinstanlagen bringen angesichts der vielen Konflikte tatsächlich wenig.

Daniel Heusser: Einige dieser Kleinwasserkraftwerks-Besitzer sind sogar die Grossen, die auch gross sind im Kassieren von Unterstützungsgeldern. Da verstauben wirklich sinnvolle Projekte in der Schublade der Energieriesen, während nun überall irgendwelche Kleinkraftwerke die letzten Bergbäche und unberührten Täler bedrohen. Und dies nur, weil sie Subventionsgelder sprudeln lassen.

Roger Pfammatter: Diese „Kassiererei“ ist das Resultat einer verfehlten Energiepolitik. Investiert wird heute nur noch in subventionierte Anlagen. Hauptursache ist primär die verfehlte europäische Energie- und Klimapolitik. Die Schweiz beschreitet aber zunehmend den gleichen Weg der Subventionitis. Ich befürchte, dass man, wenn man damit begonnen worden ist, kaum mehr herausfindet. In einem nicht masslosen verzerrten Markt wäre die sehr effiziente Wasserkraft bestimmt nicht auf Unterstützung angewiesen. Und im Übrigen erhält die Grosswasserkraft zurzeit ja noch keinen Rappen.

 

Wenn also der Markt spielen würde, müssten die kleinen Kraftwerke den Betrieb aufgeben?

Roger Pfammatter: Das ist sicherlich so, wobei das natürlich auch für alle anderen subventionierten Stromquellen wie Photovoltaik und Windanlagen gilt. Und inzwischen leider sogar für die Grosswasserkraft, weil der so genannte Markt dermassen verzerrt und verfälscht ist.

 

Daniel Heusser, was sind die erwähnten Schwierigkeiten bei den Verhandlungen mit Wasserkraftproduzenten?

Daniel Heusser: Nach dem Gewässerschutzgesetz müssten die Anlagen ab 2012 einen gewissen Standart erfüllen…

Roger Pfammatter: Zwei Drittel der Anlagen erfüllen ihn.

Daniel Heusser: Ja, aber einige Kantone setzten es nicht durch.

 

 

Von welchen Massnahmen sprechen wir?

Daniel Heusser: Die Kraftwerke müssen eine gewisse Menge Restwasser durchfliessen lassen. In Zukunft müssen die Wehre und Dämme, die es bei solchen Anlagen gibt, fischgängig sein, Schwall und Sunk, also die höchste und geringste Wassermenge, darf nicht ein bestimmtes Mass überschreiten und auch das Geschiebe und die Steine müssen sich Gewässer im natürlichen Rahmen bewegen können.

Roger Pfammatter: Es gibt einen gesetzlichen Spielraum. Man kann ihn ausnützen. Wenn die Wirtschaftlichkeit einer Anlage nicht mehr gewährleistet ist, sind die Betreiber von der Sanierungspflicht auszunehmen oder die Anforderungen müssen verringert werden.

Daniel Heusser: Die Axpo hat dafür extra ein ausgeklügeltes Rechenmodell entwickelt, das von der ganzen Branche angewendet wird. Damit können Kraftwerke ihre Unrentabilität nachweisen. Wir wollen natürlich nicht, dass Wasserkraftproduzenten in finanziellen Schwierigkeiten geraten. Wenn die Wirtschaftlichkeit aber im Einzelfall so schlecht ist, dann darf man auch mal über den Rückbau einer Anlage nachdenken. Viele erledigen ihre Hausaufgaben nicht. Ausserdem verstehen wir uns als Interessenvertreter der Artenvielfalt. Wir können nicht um jeden Preis Verständnis dafür haben, einen Bach oder Fluss auszutrocknen. Wasserkraft muss wirtschaftlich sein. Aber auf keinen Fall auf Kosten der Umwelt.

Roger Pfammatter: Das Gesetz sieht vor, dass eine Sanierung nur soweit von Kraftwerken finanziert werden muss, als dass diese wirtschaftlich tragbar ist – und auch das ist ein markanter Eingriff in das wohlerworbene Recht zur Nutzung der Wasserkraft. Ich erlebe die Umweltverbände in diesem Punkt als stur. Sie überladen das Fuder und verhindern damit ausgewogene Lösungen. Beispielsweise wäre die Restwassersanierung im Misox seit vielen Jahren realisiert, wenn die Umweltverbände die damals vorliegende Verfügung des Kantons nicht ans Bundesgericht weitergezogen hätten. Das Gericht stützte die Beschwerde zwar teilweise – aber angesichts der heutigen wirtschaftlichen Lage ist es sehr unwahrscheinlich, dass es für die Umwelt eine bessere Lösung gibt.

Dani Heusser: Der Kanton Graubünden hat den Misoxer Fall als Pilotsanierung ins Schaufenster gestellt und alle anderen Kraftwerke hinten angestellt. In diesem Kontext blieb uns gar nichts anderes übrig, als hier für eine ökologisch gute Lösung einzustehen. Mit Betonung auf gut und nicht übertrieben. Das Bundesgericht hat uns ja dann auch Recht gegeben. Trotz diesem positiven Urteil sind wir aber leider noch keinen Schritt weiter. Dies ist das wahre Dilemma an diesem Urteil. Der Kanton müsste das Ruder viel stärker in die Hand nehmen. Im Moment scheint es aber fast so also, ob die Axpo das Sagen habe.

Roger Pfammatter: Es gibt eben auch Anlagen, wo es keine wirtschaftlich tragbaren Massnahmen gibt, die zu einem genügend grossen ökologischen Mehrwert führen.

Daniel Heusser: Dank den geforderten Massnahmen soll die Artenvielfalt in unseren Gewässern wiederhergestellt werden. Dies geschieht nicht von heute auf Morgen, und es braucht Zeit, bis solche Revitalisierungsmassnahmen wirken. Aber wenn ein trocken gelegtes Gewässer wieder Wasser bekommt, geht es schnell, bis es wieder besiedelt wird. Auch wenn zwei Drittel der Wasserkraftproduzenten nun die gesetzlichen Bestimmungen erfüllen und die andern bald auch noch dazu stossen werden, ist dies kein Grund, sich zurückzulehnen. Vielleicht sind für die Verbesserung der Artenvielfalt weitere Massnahmen notwendig, beispielsweise die Dynamisierung von Gewässern.

Roger Pfammatter: Die Wasserkraft ist nur eine der möglichen Ursachen, die zum Rückgang der Fischvielfalt in den Gewässern geführt hat. Andere Gründe sind die übermässige Kanalisierung und Verbauung der Gewässer, Mikroverunreinigungen aus Siedlungen und der Industrie, der klimabedingte Temperaturanstieg in den Gewässern, der Einfluss invasiver Arten und vielleicht auch das Verhalten der Fischer selbst, die die Gewässer nicht mehr besetzen wie früher.

 

Können die Wasserkraftproduzenten im aktuellen Marktumfeld die Schutzmassnahmen überhaupt bewältigen?

Roger Pfammatter: Bei der Ausarbeitung der neuen Gewässerschutzbestimmungen hat das Parlament die Finanzierung über eine Netzabgabe beschlossen. Die Kosten dafür werden von den Stromkonsumenten getragen. Das war ein durchaus weiser Entscheid, damit die Wasserkraft nicht zusätzlich weiter belastet wird.

Daniel Heusser: Das ist auch richtig so. Ich befürchte aber, dass das Gewässerschutzgesetz auf politischer Ebene wieder angegriffen wird.

Roger Pfammatter: Wir haben nichts Entsprechendes in Vorbereitung. Wichtig sind deshalb pragmatische Lösungen und der Wille von allen Seiten, das Fuder nicht zu überladen.

Daniel Heusser: Uns als Umweltorganisation geht es nun darum, trotz der finanziell schwierigen Phase, die Wasserkraft als Energieträger zu erhalten und den Besitzstand auf einem ökologisch hohen Niveau zu bewahren.

Pfammatter: In diesem Punkt sind wir uns einig. Im Gegensatz zur Situation in vielen anderen Ländern sind die Anlagen bei uns noch in einem sehr guten Zustand. Aber die Instandhaltung und die Erneuerung von Verschleissteilen kostet dauerhaft Geld. Wir leben jetzt schon vier Jahre in einem äusserst schwierigen Marktumfeld. Ewig kann das so nicht mehr weitergehen. Man kann nicht über Jahre hinweg für eigentlich kostengünstige 5 oder 6 Rappen pro Kilowattstunde produzieren und nur 2,5 Rappen einnehmen. Das zehrt an der Substanz und stellt mittelfristig die Versorgungssicherheit und die gesamte Energiestrategie in Frage.

Daniel Heusser: Entweder muss auf dem gesetzlichen Weg die einheimische und erneuerbare Energie geschützt werden, oder es muss neue Rahmenbedingungen geben. Es kann nicht sein, dass wir nun plötzlich die Atomkraft auch nochmals subventionieren. Es könnte auch ein Geschäftsmodell sein, mit der Speicherung von Solarenergie zu verdienen. Und gerade dies können die Schweizer Produzenten anbieten.

Roger Pfammatter: Die Wasserkraft hat einen sensationellen Wirkungsgrad. Kein anderer Energieträger kann da mithalten, vor allem auch die hoch subventionierte Photovoltaik oder Windenergie nicht. Aber um nicht missverstanden zu werden: Ich sehe diese Energieträger als Ergänzung, plädiere aber doch dafür, ein Augenmerk auf die Wasserkraft zu legen. Nur leider können wir die globalen Rahmenbedingungen nicht ändern. Obwohl der Energiekonsum weltweit steigt, sinken die Preise, weil zu viel Energie produziert wird.

 

Besteht die Gefahr einer Kannibalisierung wie auf dem Milchmarkt?

Roger Pfammatter: Ich habe diese Parallele zur Landwirtschaftspolitik auch schon gesehen. Es gibt europaweit, wenn nicht weltweit zuviel Unterstützung am falschen Ort. Was die Situation in der Schweiz betrifft: wenn die Bauern in einer ähnlichen Situation wären wie die Wasserkraftwerke, wären sie längst mit dem Güllenwagen auf den Bundesplatz gefahren und hätten sie ausgeschüttet.

Vielleicht würde eine solche Aktion die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Problem der Stromproduzenten lenken?

Roger Pfammatter: Vieles im Strommarkt ist aus dem Lot. Anderes ist absurd. Die für Grosskunden eingeführte Liberalisierung hat Betriebe und Verwaltung der öffentlichen Hand dazu gebracht, dass sie entweder billigen Strom aus dem Ausland beziehen, oder die einheimischen Produzenten so unter Druck setzten, dass sie ihren Strom annährend zum gleichen Preis wie sie die ausländische Konkurrenz anbietet, bekommen. Also oft unter den Produktionskosten der einheimischen Wasserkraft. Dabei ist oftmals die gleiche öffentliche Hand Mitbesitzerin der Kraftwerksunternehmen und erwartet dann auch noch Gewinnausschüttungen. Man nennt das, was die Kantone betreiben: sich selber ins Knie schiessen. Vielleicht sollte dies der Öffentlichkeit tatsächlich mehr ins Bewusstsein rücken.

Daniel Heusser: Die gleiche öffentliche Hand, die billigen Importstrom nutzt, subventioniert dann wieder für viel Geld denn Bau oder Erneuerung kleiner Kraftwerke, die den Strom nur sehr teuer produzieren können, wie beispielsweise Kraftwerke an der Lorze bei Cham. Und der billige Importstrom ist dann Dreckstrom aus Kohlekraft, der das Klima schädigt und neue Kosten verursacht.

Dann dürfen wir annehmen, dass sich der WWF den Strom etwas kosten lässt?

Daniel Heusser: Wir beziehen Naturmade Star. Das ist zertifizierter, nachhaltig produzierter Strom. Die Elektrizitätswerke der Stadt Zürich sind fortschrittlich und haben ein gutes Angebot. Vor allem kleinere Kunden haben aber nicht überall eine so gute Auswahl.

Roger Pfammatter: Wir beziehen unseren Strom der Geschäftsstelle in Baden selbstverständlich zu 100 Prozent aus zertifizierter einheimischer Wasserkraft.

Der Klimawandel wird Auswirkungen auf die Wasserkraft haben.

 

Bereitet sich die Branche darauf vor?

Roger Pfammatter: Der Klimawandel ist natürlich auf dem Radar und hat bereits heute relevante Auswirkungen auf die Wasserkraft. Beispielsweise profitieren stark vergletscherte Einzugsgebiete vom zusätzlichen Wasser der Gletscherschmelze. Es gibt aber auch negative Erscheinungen wie das Auftauen des Permafrostes und die Zunahme von Sedimenten. Sie tragen zur Verlandung von Seen bei und gefährden Turbinen. Die Entwicklung ist mit vielen Unsicherheiten verbunden, wobei es Gewinner und Verlierer geben wird.

Daniel Häusser: Unter den Gletschern bilden sich Seen und die könnten eines Tages teilweise auch für die Energieproduktion genutzt werden. Viele liegen hoch und in ökologisch weniger sensiblen Gebieten. 

Neue Technologien könnten den Markt noch einmal aufwirbeln. Energie wird aus Flusskraft gewonnen, aber auch über ein starkes Gefälle im Alpenraum. Dabei übernehmen die Stauseen auch eine Speicherfunktion. Das ist ein wirtschaftlich interessantes Potential. Allerdings könnten andere Technologien einen Strich durch die Rechnung machen. Es können ganz andere Speichermöglichkeiten wichtig werden. Etwa Power to Gas.

Daniel Heusser: Das ist für mich noch weit weg. Die im Prinzip saubere Wasserkraft ist schon da. Wir müssen sie nur nachhaltig nutzen.

Roger Pfammatter: In der Tat ist vieles im Umbruch. Wer hätte vor zehn Jahren bei gleichzeitigem weltweitem Wirtschaftswachstum einen solchen Preissturz für Strom möglich gehalten? Es kann sehr schnell sehr viel passieren, vor allem in hochpolitischen Energiefragen. Leider gilt allzu oft: Hauptsache „innovativ“. Altbewährtes wie die Wasserkraft wird im besten Fall als gegeben hingenommen. Dabei ist die Wasserkraft der eigentliche energiepolitische Trumpf der Schweiz. Aber sie braucht faire Rahmenbedingungen. Dann ist sie für die Energiezukunft nicht ein Teil des Problems sondern ein Teil der Lösung.


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Geschrieben von Martin Arnold

Ein grosses Werk

Dass bei grossen Hochwasserschutzprojekten verschiedene Interessen aufeinander treffen, zeigt anschaulich das Projekt Rhesi. Rhesi soll am Alpenrhein Hochwasserschutz, Naturschutz und die Bedürfnisse der Trinkwasserversorgung unter einen Hut bringen.

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 Hochwasser am Rhein im Juni 2016: Hier könnten Auenwälder stehen. (Bild Andreas Butz)

 

Wer das St. Galler Rheintal als Wanderer vom Höhenweg aus erblickt, sieht auf ein graublaues Band, das gerade von Nord nach Süd verläuft. Verglichen mit dem mäandernden Tagliamento, dem König der Alpenflüsse im Friaul, ist das wie Tag und Nacht. Der Alpenrhein präsentiert sich als trostlose Wasserautobahn. Doch die Wasserautobahn soll einige Nischen erhalten und der Natur mehr Platz geben. Die Überarbeitung des Hochwasserschutzes und die geplante Sanierung der Dämme bieten die Chance dazu. Denn unter dem Titel Rhesi (Rhein. Erholung und Sicherheit) ist als zwischenstaatliches Projekt ein Jahrhundertwerk geplant, dessen Bauzeit 25 Jahre dauern soll. Die Basis ist das Entwicklungskonzept Alpenrhein. Es wurde 2005 von der gemeinsamen Regierungskommission der beteiligten Kantone, Vorarlbergs und Liechtenstein vorgelegt. In diesem Entwicklungskonzept wurde deutlich, dass der Hochwasserschutz am Rhein verbessert werden muss. Und zwar betrifft dies nicht die Standfestigkeit der Dämme, sondern die Wassermenge pro Sekunde, die an der engsten Stelle durchfliessen kann. Der Rhein hat sich am Oberlauf zudem tiefer eingegraben, am Unterlauf verflacht die Flusssohle.
Nach dem Zusammenfluss von Vorder- und Hinterrhein bei Reichenau strömt der Rhein, dessen Einzugsgebiet etwa die Fläche des Kantons Bern umfasst, auf insgesamt 90 Kilometer in einem schmalen, kanalisierten Flussbett: Sein Wasser soll so schnell wie möglich durchs Rheintal fliessen. Es wird am Unterlauf gesäumt von zwei mächtigen, mit Steinen ausgekleideten Wuhren, die ihn bei mittlerem Hochwasser daran hindern, über die Ufer zu treten. Das kommt nur alle paar Jahre vor. Dann wird das Rheinvorland überflutet, und der Fluss hat nun, solange das Hochwasser anhält, den nötigen Raum, um sich auszutoben.

 Erst die über sieben Meter hohen Hochwasserdämme in grossem Respektabstand werden ihn daran hindern, sich ins dicht besiedelte Rheintal zu ergiessen. Die Durchflussmenge beträgt im Moment in untern Teil kurz vor dem Bodensee 3100 Kubikmeter und soll nun 4300 Kubikmeter erhöht werden. Denn neue Berechnungen zeigen, dass es nicht mehr so sicher ist, dass 3100 Kubikmeter genügen

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Rheinregulierung als Jahrhundertwerk

Kurt Fischer, Bürgermeister der österreichischen Marktgemeinde Lustenau, erschrak kurz nach seinem Amtsantritt 2010, als ihm im Rahmen einer Überprüfung der Katastrophenschutzmassnahmen das Ausmass eines Dammbruches bewusst wurde: „Wir hätten keine Chance, die Menschen aus den flussnahen Quartieren zu evakuieren. Uns bliebe nur, ihnen zu raten, sich auf die Dächer zurückzuziehen. Ich bin mir sicher: Es würde Tote geben“. Katastrophal wären auch die zu erwartenden Sachschäden von mehreren Milliarden Franken. Die Dämme halten nur einem so genannten 100-Jahr-Ereignis stand, wenn mit Abflussmengen von 3100 Kubikmetern pro Sekunde – das entspricht 3,1 Millionen Liter Wasser – zu rechnen ist. Doch es kann noch viel schlimmer kommen. Bei einem etwa alle 300 Jahre zu erwartenden Hochwasser ist mit den erwähnten 4300 Kubikmeter pro Sekunde zu rechnen. Lustenau, Diepoldsau, Widnau, Au, St. Margrethen oder Rheineck wären vollkommen überschwemmt. Wie nach dem Jahr ohne Sommer mitten während der Hungersnot 1817, als der Rhein zeitweise von Bad Ragaz bis zur Rheinmündung einen See bildeten und der Fluss selber drohte, bei Sargans nach Westen zu fliessen und in den Walensee zu münden.
Die Rheinregulierung ist das Ergebnis eines Jahrhundertprojekts, das in seinen Anfängen bis ins ausgehende 18. Jahrhundert zurückreicht. Damals erkannte man beidseits des Rheins, dass der regelmässig über die Ufer tretende, seinen Lauf immer wieder ändernde Fluss nur mit gemeinsamen Anstrengungen zu zähmen war. Doch es brauchte eine ganze Reihe weiterer, katastrophaler Überschwemmungen, bis sich 1892 die Schweiz und Österreich zusammenrauften und mit der internationalen Rheinregulierung die Basis legten für ein Jahrhundertwerk. Daniel Dietsche, Rheinbauleiter Schweiz, ist beeindruckt von der Arbeit der damaligen Ingenieure und Baufachleute, die wasserbautechnische Pionierarbeit leisteten. Sie schufen ein Werk, das den Hochwasserschutz im Rheintal nahezu perfekt machte, so perfekt, dass der Alpenrhein nicht nur seinen Schrecken verloren hat, sondern auch den Bezug zur Bevölkerung. Über hundert Jahre hat der Rheindamm gute Dienste geleistet. Die Rheinregulierung brachte den Bauern im Tal auf den Vorlandflächen zwischen Wuhr und Hochwasserdamm auch rund 350 Hektar der besten Böden im Tal, Land, das sie für die Graswirtschaft nutzen dürfen. Bis zu vier Heuernten sind auf den mit Jauche oder Mist gedüngten Böden möglich. Im Untergrund des Flussbettes findet sich Trinkwasser, das beidseits in verschiedenen Gemeinden gefördert wird und rund 200‘000 Menschen versorgt.

 


Dank Renaturierung könnten mehr Stellen am Rhein aussehen wie die Mastriler Augen. Bild Anita Mazzetta.

Doch die Dammbreite wurde zu schmal bemessen, das Wasser läuft zu schnell durch und gräbt sich in den Untergrund. Das erhöht die Gefahr einer Grundwasserabsenkung im Rheintal. Weil man die Bevölkerung wegen der zu erwartenden immensen Schäden auch vor einem sehr seltenen Hochwasser schützen will, ist nun die Zeit des Handelns gekommen. Ein besserer Schutz soll mit der Verbreiterung des inneren Dammes auf mehr als das Doppelte erreicht werden. Das führt bei normalem Wasserstand zu mehr Flussdynamik, sodass das Flusswasser mäandern und Sandbänke bilden kann. Weil die Hochwassergefährdung in Bodenseenähe grösser ist, macht das Projekt Rhesi den Anfang. Es sind viele Hürden zu überwinden.


Platz für die Natur

2009 wurde die Internationale Rheinregulierung beauftragt, ein Sanierungsprojekt auszuarbeiten, das den Namen Rhesi erhielt. Die wichtigste Auflage: Rhesi muss in beiden Anrainerstaaten den gesetzlichen Vorgaben entsprechen. Die Schweiz geht dabei in Sachen Renaturierung noch etwas weiter und gibt damit den Rahmen vor. Das Gewässerschutzgesetz lautet: „Bei Eingriffen in das Gewässer muss dessen natürlicher Verlauf möglichst beibehalten oder wiederhergestellt werden“. Damit sei eines klar, sagt Hans-Peter Willi, Leiter der Abteilung Gefahrenprävention beim Bundesamt für Umwelt. Er ist als Vertreter der Eidgenossenschaft Mitglied der Gemeinsamen Rheinkommission. „Eine weitere Verschlechterung ist ausgeschlossen“. Die Frage ist: Wie viele ökologische Verbesserungen sind möglich?
Die Plattform „Lebendiger Alpenrhein“, dessen Geschäftsstelle beim WWF in St. Gallen der Gewässerbiologe Lukas Indermaur leitet, setzt sich bei der Rheinsanierung für ein ökologisches Vorgehen ein. Während der Rhein früher neben Angst und Schrecken auch viel Erholung und schöne Stunden in der Natur ermöglichte, ist er heute als Naherholungsgebiet nicht präsent. Der Damm bildet die langweilige Kulisse zwischen dem Wasser und dem Kulturland. „Die Renaturierung des Alpenrheins ist ein sehr langfristiges, generationenübergreifendes Projekt. Wenn man jetzt keinen Fluss schafft, der einen Lebensraum für möglichst viele Arten ist und die Lebensqualität der Bewohner erhöht, ist die Chance für hundert Jahre vertan", stellt Lukas Indermaur klar. Umfragen haben bestätigt: Die betroffene Bevölkerung wünscht sich einen naturnahen Alpenrhein mit vielen ökologischen Inseln und Auen.

 

Wird als Erholungsraum geschätzt: Renaturierung bei Rüthi. (Bild pd)

 

Obwohl das Vorland zwischen dem inneren und dem äusseren Damm öffentlicher Boden ist, stellen sich die Bauern, die es nutzten dürfen, präventiv als Opfer dar, um möglichst viel für sich herauszuholen, oder die Anzahl der ökologische Ausgleichsflächen wie Auen, die gemäss Gesetz alle rund fünf Flusskilometer vorhanden sein müssten, weiter zu verkleinern. Und auch die Gemeinde Widnau blockiert: Sie müsste auf ihre Wasserfassungen direkt am Rhein verzichten. Dies wäre allerdings zu ihrem eigenen Nutzen, denn das Wasser ist zu kurz im Untergrund, um es in die Trinkwasserleitungen zu leiten. Gegen die Aufhebung der sehr rheinnahen Trinkwasserfassungen wehrt sich die Widnauer Gemeindepräsidentin und Vertreterin der Trinkwasserversorgungen im mittleren und unteren Rheintal, Christa Köppel, trotzdem:„Es gibt Interessenskonflikte zwischen den Anliegen des Hochwasser- und Naturschutzes und jenen der Trinkwasserversorgung. Die Versorgung mit genügend einwandfreiem Trinkwasser hat höchste Priorität. In unserem Fall geht es um 80‘000 Menschen." Umweltverbände gehen davon aus, dass auch weiter weg vom Rhein Wasser gefasst werden kann. Ausserdem grenzt Widnau an die Hügel des Appenzeller Vorlandes mit seinen ergiebigen Wasserquellen.
In ihrem Vorschlag im November 2015 präsentiert die Internationale Rheinkommission im Rhesi-Projekt zwischen der Illmündung bei Oberriet und dem Bodensee auf 30 Kilometern fünf ökologische Trittsteine, deren Realisierung aber in Frage gestellt wird. Zwei dieser Trittsteine sind innerhalb der bestehenden Dämme, drei setzen eine Erweiterung des Aussendammes auf einigen wenigen Kilometern voraus. Im Bereich Widnau würde der Rhein sogar eine Strecke von elf Kilometern ohne ökologischen Mosaikstein durchfliessen. „Die elf Kilometer ohne ökologische Trittseine sind für uns unannehmbar“, erklärt Lukas Indermaur unmissverständlich.

 

Eigeninteresse vor Gemeinwohl

Nach dem Abschluss der Vernehmlassung wurde deutlich, dass auf der einen Seite Landwirte und die Trinkwasserversorger opponieren und auf der anderen Seite Umweltverbände, welche die bescheidenen ökologischen Ambitionen von Rhesi kritisieren. Markus Mähr, Projektleiter von Rhesi hat nun ein spezialisiertes Büro beauftragt, bis Ende 2016 Kompromissvorschläge vorzulegen. Gleichzeitig sucht er dort, wo es zu Dammerweiterungen kommt, das Gespräch mit den Landeigentümern. Sollte es zu einer Einigung kommen, arbeitet die Internationale Rheinregulierung ein Projekt aus, das einer Umweltschutzprüfung unterzogen werden kann. Hat sie die bestanden, stünde einem neuen Staatsvertrag nichts mehr im Wege. "Welchen Parlamenten er dann vorgelegt werden muss, ist noch nicht ganz klar", erklärt Markus Mähr. Fest steht, dass er zumindest in der Schweiz über die Kostenbeteiligung der Kantone bei einem Referendum an der Urne zu Fall gebracht werden könnte. Die Pläne sind vage. Mähr rechnet mit Baukosten von 600 Millionen Franken, die aber 30 Prozent nach oben und unten variieren könnten. Es ist wahrscheinlich, dass am neuen Rheingesicht nicht nur Politiker, sondern auch Juristen mit formen werden. Sollten bestimmte Massnahmen bis vor Bundesgericht angefochten werden, könnte es noch bis weit über 2020 hinausgehen, bis gebaut wird. 
Dabei ist die neue Flussregulierung eine Chance für die Region. Widerstand von allen Seiten gab es auch bei der Sanierung des Escher- und Linthkanals. Aber es gelang, in die Sanierung zusätzlichen Massnahmen zu Gunsten der Natur im Bauprojekt unterzubringen. Integriert sind viele kleine Nischen zwischen im Kanton Glarus auf dem Abschnitt des Escherkanals, sowie zwischen dem Walensee und dem Zürichsee. Eine wichtige Massnahme befindet sich beim Benkener Ried, das nun auch mit dem ökologisch wertvollen Kaltbrunner Ried über Korridore vernetzt wird. Zudem wird das Benkener Ried um vier Hektaren vergrössert. Das neue 120 Millionen Franken teure neue Linthwerk ist seit 2013 abgeschlossen. Die Natur hat nicht überall jenen Platz bekommen, den sie verdient hätte. Doch dorthin, wo dem Fluss Platz gegeben wurde, wo Flächen überschwemmt wurden, sich Tümpel bildeten, Amphibien und Schmetterlinge zu siedeln begannen, fühlen sich die Menschen magisch hingezogen. Für die Umweltverbände ist die Entwicklung erfreulich. Einerseits ist sie ein Gewinn für die Natur, andererseits entsteht hier ein Vorbild für das noch grössere Projekt der Revitalisierung am Alpenrhein. Denn es ist sichtbar, wie wertvoll neuer Naturraum auch als Lebensraum für die Menschen ist.

 

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Geschrieben von Martin Arnold

Kampf um Restwasser

Beim weiteren Ausbau der Wasserkraft scheiden sich die Geister. Nach Ansicht von Umweltschutzkreisen nutzt die Schweiz bereits jene Gewässer zur Energiegewinnung, wo dies sinnvoll ist. Der weitere Ausbau würde nicht viel zusätzlichen Strom bringen, aber grosse Schäden in der Natur anrichten.

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Oft wird das Wasser einer ganzen Region umgeleitet, um es zu verstromen. Das Bild zeigt den Stausee Grande Dixence mit einem solchen Zufluss.

 

"Die Umweltverbände sind zu prinzipientreu. Das verhindert manchen sinnvollen Kompromiss. Der Preis dafür ist unter Umständen der Import von billigem Kohlenstrom aus der EU." Roger Pfammatter Geschäftsführer des Schweizer Wasserwirtschaftsverbandes SWV hält mit seiner Kritik an den Umweltverbänden nicht zurück, wenn es um Fragen des weiteren Ausbaus der Wasserkraft geht. In der Energiestrategie 2050 ging die Schweizer Regierung ursprünglich von einem Ausstieg aus der Kernenergie und einem deutlichen Ausbau der Wasserkraft aus – neben der Förderung anderer erneuerbaren Energien. Die Energiestrategie ist praktisch Makulatur. Kernkraftwerke können bis zum St. Nimmerleinstag betrieben werden. Allerdings gibt es einen Hacken. Sie müssen steigende Sicherheitsanforderungen erfüllen. Bereits jetzt können sie mit dem Durchschnittspreis pro Kilowatt auf den europäischen Energiebörsen kaum mehr mithalten. Die Wirtschaftlichkeit ist gefährdet. Und die Rechnung wird zukünftig noch schlechter, weil erneuerbare Energien wie Solar- und Windenergie immer günstiger produziert werden können. Hinzu kommt die Verstromung extrem billiger Kohle aus den USA importierter Kohle, weil dort die Energiegewinnung aus Fracking wiederum die Kohle konkurriert. Demselben Preisdruck ist allerdings auch die Wasserkraft ausgesetzt. Viele Wasserkraftbetreiber sind in finanzieller Bedrängnis. "Und wenn sie immer strengere Umweltauflagen erfüllen müssen, bringt sie das in Existenznot", erklärt Roger Pfammatter. Umweltverbände vertreten die Meinung, dass Wasserkraft jahrelang hochrentabel war und die Energieproduzenten deshalb finanziell genug robust seien, um einige Krisenjahre zu überstehen. Auch wenn Wasserenergie grüne Energie ist, löst sie bei Umweltverbänden zwiespältige Gefühle aus. Es ist eine Frage der Qualität und Quantität. Die Qualität wäre besser, wenn bei jeder Staustufe für Fische die Möglichkeit bestünde, sie zu überwinden. Und die Quantität wäre besser, wenn in jedem Fluss genügend Wasser fliessen würde, damit die Fische wandern könnten. Das Gewässerschutzgesetz formuliert diese Ziele und die Umweltorganisationen setzten sich dafür ein, dass sie auch landesweit erreicht wird. Chancen bestehen vor allem dann, wenn die bestehenden Bauten saniert werden müssen.

 

Konstruktiver runder Tisch

Viele Produktionsstandorte wurden in den Boomjahren und in Zeiten der Technikeuphorie nach dem zweiten Weltkrieg gebaut. Der Ort Marmorera im Kanton Graubünden wurde beispielsweise geflutet, um dank des Stausee Marmorera und seinem Kraftwerksystem rund 200 Megawatt Strom, also mehr als die halbe Leistung des Kernkraftwerk Mühlebergs nach Zürich liefern zu können. Doch der Fluss Julia alleine würde nicht genügen, um diese Leistung zu produzieren. Dazu muss aus 14 Standorten, verteilt auf fast 170 Quadratkilometern, Wasser hinzu geführt werden. Diese 14 Standorte befinden sich an Flüssen und Bächen, die teilweise vor allem im Winter austrocknen. Diese massive Beeinträchtigung von Lebensräumen ist nicht mehr möglich. Ein Bundesgerichtsurteil vom November 2012 hat an der Moesa im Misox einen richtungsweisenden Entscheid getroffen. Die Pilotsanierung der Misoxer Kraftwerke lehnte das Gericht in der geplanten Form ab. Während die kantonalen Behörden bei der Sanierung der Wasserentnahme von einer marginalen Restwassererhöhung ausgingen, befand das Bundesgericht, eine finanzielle Ertragseinbusse von etwa neun Prozent sei zumutbar, auch wenn dadurch drei bis sechs Prozent mehr Wasser ungenutzt dem Lago Maggiore entgegen fliesst. Auch was die Sanierungskosten betrifft, war das Urteil klar. Der Spielraum muss voll ausgenutzt werden und wenn ein Kraftwerk praktisch abgeschrieben ist, wie das im Misox der Fall war, liegt mehr für die Natur drin.

 

 

Das Bundesgericht will, dass die Moesa genügten Wasser führt. 

Seit diesem Urteil suchte das Amt für Energie und Verkehr in Graubünden den Konsens zwischen den Behörden, Vertretern der Umweltorganisationen und den Strombetreibern. "Wir diskutieren nicht nur an runden Tischen, wir gehen auch gemeinsam an die Orte, die umstritten sind. Dann lassen wir die minimale Wassermenge durch, aber auch jene, die der maximalen Forderung entspricht und schauen konkret am Flussufer, was dies für die Fische bedeutet. Wenn ein Kraftwerk in starker finanzieller Bedrängnis ist, verlangen wir eine Überlebensgarantie für Fischbestände, ist der Spielraum grösser, wollen wir Bedingungen für einen ansprechenden Lebensraum", erklärt Anita Mazzetta, Geschäftsführerin des WWF Graubünden das aktuelle Vorgehen im Ringen um für alle Seiten befriedigende Flusssanierungen. Immerhin wird in Graubünden mit fast acht Milliarden Kilowattstunden rund ein Fünftel der Schweizerischen Wasserkraft produziert. Im Kanton gibt es 35 Konzessionsnehmer. Hinzu kommt eine grosse Anzahl Kleinkraftwerke in den Händen der Gemeinden und 20 neue Kraftwerke die dank kostendeckender Einspeisevergütung subventioniert gebaut wurden. Weitere sind in Planung. Der WWF vertritt am runden Tisch die Umweltorganisationen. Anita Mazzetta lobt ihn als konstruktiv. Das Beispiel Marmorera zeige aber auch, wie schwierig es ist, in Regionen mit hoher Energieproduktion, allen Gewässern gerecht zu werden. "Wenn wir allen 14 Entnahmegewässern ein paar Liter mehr geben, gewinnen wir nichts. Wir konzentrieren uns auf Bäche und Flüsse, an denen wir ökologisch viel gewinnen." Die Entscheidung steht noch aus. Angedacht ist, dass ein Bach auf der Alp Flix wieder seinen ursprünglichen Lauf durch ein Moorgebiet nehmen kann. Und auch der Hauptfluss Julia mit dem wichtigen Nebenfluss Faller sollen mehr Wasser bekommen.

 

Rein da Medel: Nicht nur mehr Restwasser, sondern auch qualitativ bessere Uferzonen streben die Umweltverbände an.

 An andern Orten bleibt es wie es ist: trocken. Auch die Stromgewinnung an der Moesa ist von Zuflüssen abhängig. Die Calancasca und Mesolcina mit ihren Nebenflüssen müssen in die Restwasserfrage mit einbezogen werden, denn sie liefern Wasser für die Energieproduktion an der Moesa. Der Talboden des Valle Mesolcina besitzt eine reiche Auenlandschaft, die neu auch revitalisiert wurde. Trotz des eindeutigen Gerichtsurteils ist das Ziel einer erhöhten Restwassermenge im Misox kein Schritt näher gekommen. Der runde Tisch wurde zwischenzeitlich ausgesetzt und andere Projekte vorgezogen, bei denen leichter ein Konsens gefunden werden konnte. Doch im Herbst 2016 ist es soweit. Dann werden die Verhandlungen zwischen Kanton, den Kraftwerken Misox und den Umweltorganisationen neu beginnen. Andernorts ist man weiter. Am Hinterrhein, am Inn im Engadin und bei der Stromgewinnung an der Albula-Landwasser sind die Sanierungen abgeschlossen. Der WWF fokussierte bei den Verhandlungen auf die grösseren, bei denen ökologisch viel gewonnen werden konnte.

 

Neue Turbine – mehr Energie

Die Auseinandersetzung um mehr Wasser und Fischgängigkeit bei der Sanierung bestehender Kraftwerke ist aber nur ein Teil der Herausforderungen, denen sich die Umweltverbände stellen müssen. Die kostendeckende Einspeisevergütung ermuntert zur Planung von Kleinkraftwerken, die auf dem freien Strommarkt keine Chance hätten. Auch an der Moesa gibt es Pläne in dieser Richtung, was die Verhandlungen erschwert. Die Axpo prüft die Möglichkeit zwei Kleinwasserkraftwerke in Cama und Verdabbio mit einer Leistung von 0,1 MW um den Faktor 20 zu erhöhen und damit 4'500 Haushalte mit Strom zu versorgen. Damit sind die Umweltverbände nicht einverstanden. Die Moesa ist das Fliessgewässer mit der höchsten Artenvielfalt in Graubünden. Der Schaden für wenig Strom wäre riesig. Im Moment ist es um das geplante Kraftwerk ruhig geworden. Roger Pfammatter: "Solange der Strompreis so tief ist, wie im Sommer 2016, investiert niemand in Wasserkraft." 
Natürlich sind die tiefen Strompreise nicht im Interesse der Umweltverbände. Sie setzten sich gegen den Import von Billigstrom aus Kohle und gegen Atomstrom ein, damit Strom aus Wasserkraft einen wirtschaftlichen Preis erzielt, auch wenn Umweltanliegen berücksichtigt werden müssen.
Niemand hat bisher ausgerechnet, wie hoch die Saldoleistung der Stromproduktion beispielsweise in Graubünden ist, wenn auf der einen Seite mehr Restwasser fliessen muss, auf der anderen Seite aber neue Energiegewinnungsanlagen hinzukommen, weil eine Einspeisevergütung beantragt wird. Anita Mazzetta, die es grob nachgerechnet hat: "Die bewilligten KEV-Kraftwerke produzieren schon heute weit mehr als der Energieverlust für Restwasser." Zudem können die Betreiber von Grosskraftwerken mit neuen Turbinen weit mehr Strom aus der gleichen Wassermenge gewinnen. 
Hinzu kommen Pumpspeicherkraftwerke wie jenes von Linth Limmern. In Zeiten des Energieumbaus fördern sie die Energiesicherheit. Sie sind eine Batterie, die immer dann aufgeladen werden kann, wenn beispielsweise die Sonne in halb Europa von einem wolkenlosen Himmel scheint. Dann pumpt der Betreiber, die Axpo, den überschüssigen Strom aus dem Limmernsee hoch in den 630 Meter höheren Muttsee und lässt das Wasser bei Bedarf wieder über die Turbine fliessen. Das Leistungspotential entspricht mit 1'520 MW jener von vier Kernkraftwerken des Typs Mühleberg oder Beznau.

 

Der neue Stausee Linth-Limmern dient als Batterie. 

 

 

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Sicherheit dank Muttsee

Anfang September 2016 wurde das Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern in den Glarner Alpen eröffnet. Das Kraftwerk mit einer Pumpleistung und einer Turbinenleistung von je über 1000 MW ist ein wichtiges Puzzleteil beim Energieversorgungskonzept mit neuen erneuerbaren Energien.

muttsee

 

Das Energieversorgungsgeschäft ist extrem langfristig. Den Bau der ältesten Staumauern und Kernkraftwerke haben die meisten von uns noch nicht erlebt. Trotzdem wird im Zusammenhang mit dem Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern (PSW) und seinem Herzstück, dem aufgestauten Muttsee, von einem Milliardenloch gesprochen. Das ist kurzsichtig argumentiert. Die Energiepreise sind im Moment tief und die Stromproduzenten fahren mit den meisten Kraftwerken Verluste ein. Doch wenn einmal griffige Klimaziele verbindlich sind, kommen auch die billigen fossilen Energieträger Gas, Öl und vor allem Kohle unter Druck. Deshalb kann das Pumpspeicherkraftwerk als Investition in die Zukunft betrachtet werden. Sie hilft, die Energiewende durchzusetzen. Denn Wasser dann hochzupumpen, wenn beispielsweise wegen viel Sonne und Wind eine Überproduktion an nachhaltiger Energie vorhanden ist, wird sich auf Dauer rechnen. Die flexible Anlage wird künftig einen wichtigen Beitrag zur Netzstabilität und damit zur Versorgungssicherheit der Schweiz und Europas leisten. Sollte dies nicht der Fall sein, muss dies politisch so gewollt werden: die Energiesicherheit der künftigen Generationen zerstören und sie gleich auch noch mit der Lösung des atomaren Abfallproblems belasten. 
Mit dem Bau der Leistungserhöhung der Kraftwerke Linth-Limmern von heute 480 MW auf 1480 MW ist das grösste Bauvorhaben im Schweizer Energiesektor nun abgeschlossen worden. Die Bauzeit betrug zehn Jahre und die Baukosten belaufen sich auf über zwei Milliarden Franken. Durch die stark schwankende Produktion aus Wind- und Solarenergie ist vermehrt Regelenergie gefragt. „Das ist der Trumpf dieser hochflexiblen Anlage" beteuerte Axpo-CEO Andrew Walo in einer Medienmitteilung. Die Bauherrin Axpo ist optimistisch. Walo:„Das Pumpspeicherwerk Limmern leistet gerade im veränderten Marktumfeld einen wichtigen Beitrag zur Stabilität des Stromnetzes."
Die Zahlen sind eindrücklich: Die Rotoren der vier Maschinengruppen wurden in der Maschinenkaverne zusammengebaut, da sie im fertigen Zustand mit einem Gesamtgewicht von je 330 Tonnen zu schwer für einen Transport gewesen wären. Die je rund 220 Tonnen schweren Transformatoren waren die schwersten Einzelteile. Sie konnten gestaffelt mit der eigens dafür gebauten Standseilbahn über 4 Kilometer Länge transportiert und werden. Die Schwergewichtsstaumauer auf der Muttalp wurde zwei Jahre vor der Einweihung fertig erstellt. Mit einer Länge von 1050 m ist es die längste Staumauer der Schweiz und mit 2500 m. ü.M. die höchstgelegene Europas. Inzwischen ist der Muttsee aufgestaut und die Anlage hat ihren Betrieb aufgenommen

 

 

 

 

 

Ein Geldstrom

Es ist Glück oder Zufall, je nach Betrachtungsweise, ob unter dem Boden eines Landes oder einer Region Erdöl, Gas oder Gold liegt. Definitiv ist es ein Reichtum der nicht selten zum Fluch wird.

 Ein besonderer Reichtum ist auch Wasser. Denn Wasser bedeutet nicht nur Leben, sonder auch Geld. Besonders wenn der Wassertropfen hoch oben in den Bergen die Erde berührt. Dann muss er eine gewisse Höhendifferenz überwinden, um ins Meer fliessen zu können. Diese Höhendifferenz nutzen die Kraftwerke mit Turbinen, um das Wasser für die Stromgewinnung zu nutzen. Dafür zahlen sie den betroffenen Regionen einen Wasserzins. So fliessen über 500 Millionen jährlich in die öffentliche Hand. Alleine die Bergkantone nehmen davon mehr als 300 Millionen Franken ein. Das Wallis verdient über 100 Millionen, Graubünden rund zehn Prozent weniger und der Rest verteilt sich auf die anderen Kantone. Entsprechend sind die Wasserzinseinnahmen in vielen Kantonen ein bedeutender Budgetfaktor und manche Gemeinde bezieht die Hälfte ihrer Einnahmen aus der Wasserkraft. Man unterscheidet zwischen Lauf- und Speicherkraftwerken unterscheidet. Die Laufkraftwerke befinden sich in Flüssen und nutzen das durchfliessende Wasser im Dauerbetrieb. Speicherkraftwerke können sozusagen auf ein "Wasserlager" zurückgreifen, das sie bei Bedarf nutzen. Eine spezielle Form davon sind Pumpspeicherkraftwerke. Dabei wird Wasser bei tiefen Preisen hochgepumpt und wenn der Preis höher ist, wieder über Turbinen runtergelassen. Weil die Strompreise nicht nur saisonal, sondern täglich und stündlich schwenken, ist ein solches Kraftwerk potentiell eine gute Einnahmequelle. Die Zuständigkeiten der Wassernutzung zwischen Bund und Kantonen sind in der Bundesverfassung geregelt. Im Laufe der Jahrzehnte haben sich allerdings die Zuständigkeiten von den Kantonen hin zum Bund verschoben. Heute erlässt der Bund Vorschriften zur zweckmässigen Nutzung der Wasserkraft. Doch gibt es Kantone, wie Graubünden oder das Wallis, die zum Wasserzins noch Sonderabgaben erheben. Diese Abgaben dürfen insgesamt mit dem Wasserzins nicht die vom Bund fixierten maximalen Abgaben überschreiten. Wasserzinsen werden seit 1918 bezahlt. Im Laufe eines Jahrhunderts wurden die Berechnungsgrundlagen immer wieder angepasst. Mehrmals kämpften die betroffenen Kantone um eine Erhöhung des Wasserzinses. Generell wird der Zins aus der Stromleistung berechnet. Das heisst, nicht nur die Wassermenge spielt eine Rolle, sondern auch das Gefälle. Als Grundlage dient der Jahresdurchschnitt der Bruttoleistung. Nicht wasserzinspflichtig sind jene Mengen, welche die Anlagekapazitäten überschreiten oder als Restwasser zurückbleiben müssen. Pumpspeicherkraftwerken wird der Wasserzins so berechnet, als wären sie Laufkraftwerke. Das heisst, wenn sie Wasser nochmals hochpumpen, um wieder daran zu verdienen, müssen sie nochmals Abgaben leisten.

 

Mehrfach verdienen: Das Pumpspeicher-Kraftwerk Linth-Limmern. 


Die Stromproduktion ist nicht die einzige Option, die Berggebiete haben. Der Verzicht, die Greina-Hochebene zu fluten, führte 1992 zu einer neuen Form der Abgeltung. Auf Basis des Wasserrechtsgesetzes können Gemeinden in schutzwürdigen Landschaften eine Entschädigung erhalten, wenn sie das Wasser nicht zur Stromproduktion nutzen. Bis 1997 mussten alle Stromproduzenten aus Wasserkraft Wasserzins bezahlen. Seither sind Kleinwasserkraftwerke von der Regelung ausgenommen. Sie zahlen wenig oder keine Abgaben. Im Durschnitt beträgt die Abgabe pro Kilowattstunde rund ein Rappen. Die Tendenz ist zwar leicht rückläufig. Dennoch steigt der relative Anteil des Wasserzinses am Gesamtpreis. Denn als Folge des Verdrängungswettbewerbes und der Stromüberschüsse sinken die Einnahmen europaweit stetig. Und die Schweizer Produzenten sind diesem Trend seit 2009 ausgesetzt. Mit der Teilöffnung des Strommarkts beziehen immer mehr Kunden und Stromlieferanten ohne eigene Kraftwerke ihren Strom aus dem Ausland. Die Produzenten klagen, die Wasserzinsen auf die grossen Endkunden zu überwälzen, liege bei diesem Marktumfeld nicht drin.
Der Tenor des Schweizerischen Wasserwirtschaftsverbandes, Swisselectric der zwei Stromversorger Axpo und Alpiq sowie des Verband der Schweizerischen Elektrizitätsunternehmen (VSE): Die aktuellen Marktverzerrungen hätten den Wert der Wasserkraft so geschmälert, dass die Kantone das bei der Erhebung des Wasserzinses berücksichtigen müssten.

 


Die Greina-Hochebene ist vor Überlutung geschützt. Die Gemeinden verdienen trotzdem.


Das Gesetz, das die Wasserzinsen regelt, läuft 2019 aus. Die Stromproduzenten möchten die Wasserzinsen streichen und erhalten Unterstützung von der wirtschaftsfreundlichen Avenir Suisse. Sie bezeichnet Wasserzinsen als Fremdköper im Strommarkt, ganz so, als würden auch alle Erdölstaaten ihren Rohstoff zu den Produktionskosten "verschenken". Auf der anderen Seite wollen vor allem die Bergkantone zumindest ein Teil ihrer regelmässigen Einnahmen weiterhin sichern. Bürgerliche Politiker drängen darauf, die Wasserzinsregelung für die Zeit nach 1919 bald in die Hand zu nehmen. Das Bundesamt für Energie gibt Richtung vor: Sein Vorschlag: Nur noch ein Teil der Abgaben soll fix, der Rest variabel ausbezahlt werden, wenn es die wirtschaftliche Situation erlaubt. Mit anderen Worten: Bleibt der Strompreis international so tief wie in den letzten Jahren, müssen sich vor allem Berggemeinen auf spürbare Mindereinnahmen gefasst machen. Auf der anderen Seite prüfen die Bundesbehörden die Möglichkeit, die Stromkonzerne zu verpflichten, ihren Kunden einen bestimmten Anteil von Strom aus Wasserkraft zu verkaufen. Die Gebirgskantone haben auf der Basis eines flexiblen Modells Gesprächsbereitschaft signalisiert. 
In den nächsten Jahren endet die Laufzeit einiger bedeutender Verträge zwischen Produzenten und Gemeinden und Kantonen. Der so genannte Heimfall gibt den Standortkantonen das Recht, die Konzession neu zu vergeben. Bisher war der Heimfall eine Chance, mehr Geld oder sonstige Leistungen für die Gemeinden herauszuholen. Das hat sich geändert. Die Möglichkeit ist gross, dass die Stromkonzerne ihrerseits mit Verweis auf die Marktsituation die Chance nutzen, die Leistungen zu kürzen.

 

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Lernen und Wissen teilen

Nach den Überschwemmungen 1999 und 2005 entschloss sich die Schweizer Regierung, den Schutz vor Naturgefahren zu verbessern. Lücken und Schwachstellen im Bereich der Prävention, Prognose und Alarmierung waren offensichtlich.

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Warnsignale und Sirenen: Ein Aufenthalt am Illgraben kann gefährlich sein

Im Rahmen der Optimierung von Warnung und Alarmierung bei Naturgefahren (OWARNA) schlug das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) verschiedene Massnahmen vor, die auch umgesetzt wurden. Gewiss: Die Wetterverhältnisse im August 2005 waren extrem. Es regnete tagelang intensiv auf die vollgesogenen Böden. Die Schneefallgrenze lag über 2500 Meter und die Flüsse schwollen rasch an. Vom Simmental bis zum Glarnerland gab es kaum ein Tal ohne Schaden. Und auch Österreich und Deutschland waren betroffen. Die Schäden beliefen sich auf drei Milliarden Franken – der grösste Schaden, den je ein Naturereignis in der Schweiz verursacht hat. Und Lehren wurden gezogen. Ein Beispiel ist der sehr gefährliche Illgraben, der in der Nähe des Pfynwaldes im Kanton Wallis liegt. Über den Graben führt auch eine Bhutanbrücke, die von der Gemeinde Susten aus erreicht werden kann. Der Illgraben beeindruckt immer. Bei schönem Wetter blenden die hellen Steinformationen und der kalkfarbenen Boden. Bei schlechtem Wetter, vor allem wenn es gewittert, die Wolken das über 2700 Meter hohe Illhorn zum Verschwinden bringen und sich der Regen wie ein fallender Vorhang die Landschaft in dichtes Grau hüllt, kann der Illbach in nur wenigen Minuten zu einem Gewässer anschwellen, bei dem riesige Gesteinsbrocken zu Tal geschoben werden, als wären sie aus Pappmaché und hätten für einen Katastrophenstreifen in Hollywood den Auftritt ihres Lebens. Hier wird ein Berg abgetragen. Mit jedem Unwetter ein Stück mehr. Gestaltungskraft und Wildheit werden hier überdeutlich sichtbar. Und auch die Tatsache, dass die Formung und Verformung der Alpen ein dauerhafter Prozess ist, der seit ungefähr 250 Millionen Jahren andauert. Im Tal unten bei Susten, nahe Lenk, formt der Illgraben einen mächtigen Kegel, der die Rhone nach Norden abdrängt, sie zu einer Schlaufe zwingt und Raum schafft, den der sehenswerte Pfynwald nutzt und hier ein kleines Naturparadies schafft. Das WSL betreibt beim Illgraben eine Beobachtungsstation für die regelmässig auftretenden Murgänge. Denn sie kommen hier im grössten Murganggebiet der Schweiz oft mehrere Male im Jahr vor. Im oberen Teil fällt aufgrund intensiver Verwitterung grosse Mengen an feinem und groben Material an, dass starke Regenfälle systematisch dem Talgrund entgegen transportieren. Ablagerungen eines Bergsturzes im Jahr 1961 bilden einen schier unerschöpflichen Materialvorrat. Mit Videoaufnahmen, Mikrophonen, Echolot, Radar. Lasergeräten und Geophonen untersucht das WSL systematisch die Morphologie, aber auch das Verhalten der Murgänge. Denn durch den Klimawandel und die damit verbundenen, stärkeren Niederschläge steigt die Murgang-Gefahr im ganzen Land. Das WSL gewinnt hier grundlegende Erkenntnisse über Muren. So kann zum Beispiel durch Messungen der Abflusstiefe und der Fliessgeschwindigkeit auf die Dichte des Gemisches aus Wasser und Stein geschlossen werden. Seit 2007 gibt es am Illgraben ein mehrstufiges Alarmsystem, aber auch modernste Netze, welche die grösseren Gesteinsbrocken auffangen. Die massiven Auffangnetze haben sich bewährt. Sie schaffen es bei einem Murgang, das grobe Material aufzuhalten und dahinter sauen sich auch die feineren Stoffe. Damit der Erfolg aber nachhaltig ist, muss eine ganze Kaskade solcher Netze angebracht werden.

  

Schnell verschwinden

Je nachdem, ob es sich um ein potentielles Hochwasser oder gar einen Murgang handelt, besteht eine Vorwarnzeit von einigen Minuten bis maximal einer Viertelstunde. In jedem Fall empfiehlt es sich für die Anwesenden nahe des Grabens, bei Alarm so schnell wie möglich zu verschwinden. Aber auch die sich im unteren Teil Gebäude, Sportanlagen und Strassen sind dauerhaft gefährdet. 


Es braucht nicht viel Phantasie, um sich auszurechnen, wie schnell man bei starken Regenfällen hier weg muss.

 

Doch dank des Alarmsystems können sie rechtzeitig geräumt werden. Helfer und Menschen, die berufsbedingt mit Naturgefahren zu tun haben, kämpfen im Katastrophenfall mit vielen Problemen, denn selbst nach der Prävention, einer rechtzeitigen Warnung und Evakuierung bleibt genügend Arbeit. Sie fängt schon oft bei der Notstromversorgung an. Wichtig ist die gemeinsame Informationsplattform Naturgefahren (GIN), auf der sich Meteorologen, Hydrologen, Gefahrenspezialisten des WSL und des BAFU, Führungskräfte aber auch lokale Gefahrenbeobachter austauschen können.

Mehr Infos: www.wsl.ch

 

Wandertipp

Eine kleine Wanderung von Susten aus über die Buthan-Brücke zeigt zwar nur den unteren Teil des Illgrabens. Trotzdem gewinnt man Eindruck von der zerstörerischen Kraft, welche Unwetter haben können. Der Aufstieg ist nicht besonders steil. Er dauert selbst beim gemütlichen Tempo höchstens eine Stunde. Der Gang über die Buthan-Brücke, welche in Zusammenarbeit mit Ingenieuren aus dem Königreich Bhutan erstellt wurde, ist ein besonderes Erlebnis. Sie schaukelt sanft über dem Flussbett, wirkt aber trotzdem vertrauenserweckend und lädt deshalb zu einer meditativ langsamen Begehung ein. Gebetsfahnen und eine Denkmal erinnern an die Zusammenarbeit mit den fernöstlichen Bauexperten. Hoch über dem tief eingefressenen, meist trockenem Bachbett wird das Tal leicht schwingend überquert. Mit einem ausgiebigen Genuss dieses Bauwerks und einem gemütlichen Abstieg dauert die Wanderung zweieinhalb Stunden.


Die Buthan-Brücke bei Susten: Nichts für Wanderer mit Höhenangst. 

Information:

Wallis Tourismus
Rue Pré Fleuri 6
Postfach 1469
1951 Sion
Tel. 027 327 35 70
www.valais.ch

 

  

 

 

Flüssiges Gold

Energie war einer der Schlüsselfaktoren des Aufstieges der Schweiz zu einer der führenden Wirtschaftsnationen der Welt. Das Schmiermittel dazu war nicht Öl, sondern Wasser, dessen Energie die Menschen schon lange nutzen.

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Mühlrad als Spielgerät im Müstertal

Intakte Mühlräder sind beliebte Wanderziele. Meist gibt es an alten Mühlen ein Gasthaus, das die Geschichte von Jahrhunderten atmet. Die Müller wussten schon im frühen Mittelalter: Wenn der Bach kein Wasser führt, wird die Arbeit hart. Das galt Jahrhunderte später auch für die Unternehmer, die in der Ostschweiz ihre Textilfabriken entlang von Bächen und Flüssen bauten. Bereits 1879 entstand das erste Wasserkraftwerk der Schweiz. Es war gleichzeitig eines der ersten weltweit. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts wurden weltweit immer mehr Wasser für die Stromproduktion genutzt. Zwischen 1950 und 1970 erlebte der Bau von Wasserkraftwerken vor allem in der Schweiz einen regelrechten Boom. Die Täler übergreifenden Anlagen wurden immer ausgeklügelter und die günstige Stromproduktion aus Wasserkraft ein entscheidender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung. Das flüssige Gold diente allen. Seit der Jahrtausendwende bekommen die drei Energiepfeiler Wasserkraft, Atomkraft und fossile Brennstoffe Konkurrenz: Solarenergie, Windkraft, Gaskraft und viele andere technische Erneuerungen speisen Strom in den inzwischen teilweise liberalisierten Markt. Die Position der traditionellen Energieträger ist schwierig geworden. Der Schweizerische Wasserwirtschaftsverband (SWV) umfasst 220 Zentralen – vom Laufwasserwerk Rheinfelden bis zu Speicherseen in höchsten Gebirgsregionen. 90 Prozent der Stromproduktion stammt allerdings von 14 Prozent der Anlagen. Der Stromanteil aus Wasserkraft beträgt in der Schweiz beachtliche 60 Prozent. Nach 100 Jahren des Aufschwungs befindet sich die Branche seit mehr als zehn Jahren in einer Konsolidierungsphase.

Viele Bergkantone und Berggemeinden sind auf die Konzessionsgelder angewiesen, die ihnen die Stromproduzenten für die Nutzung ihres Wassers bezahlen. Die profitierenden Kantone mit ihrer in früherer Zeit ausgeprägten auf die Eigeninteressen fokussierten politischen Arbeit bekamen deshalb den Beinahmen Alpen-Opec. Bei den Auseinandersetzungen ging es beispielsweise um das sogenannte Restwasser. Es ist kein Ziel an sich, sondern richtet sich nach den Bedürfnissen der Natur. In einem Fluss muss soviel Restwasser durchfliessen, die das Ökosystem benötigt, um intakt zu bleiben. Ob es trotzdem beschädigt ist, einigermassen intakt oder artenreich – diese Interpretation ist oft Gegenstand der Auseinandersetzung zwischen Umweltverbänden und Stromproduzenten, bei denen jedes Prozent Restwasser mehr, einen Einnahmeausfall bedeutet.


In den letzten Jahren stieg die Stromproduktion nicht mehr wesentlich an, die Nachfrage aber auch nicht. Investitionen halten sich zurück. Zu unattraktiv sind die gegenwärtigen Marktpreise. Doch die Branche denkt auch an die mittlere und ferne Zukunft.

 

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Solange sich die Gletscher zurückziehen, aber noch nicht abgeschmolzen sind, bieten sich der Wasserkraft neue Chancen.

Neue Modelle rechnen im Hochgebirge mit der Entstehung von hundert neuen Seen. Zu verdanken sind sie den abschmelzenden Gletschern, die auf ihrem Rückzug Senken hinterlassen. Sie bilden eine Chance für neue Stromnutzungsquellen. Gleichzeitig werden Extremereignisse und das Verschwinden des gebundenen Wassers im Eis die Produktion unberechenbarer machen. Diese neuen Herausforderungen addiert mit den strengeren Anforderungen an den Umweltschutz bezüglich Restwassermenge bedingen nach Schätzungen des Wasserwirtschaftsverbandes bis 2050 Investitionen in der Höhe von 135 Milliarden Franken. Der gleichzeitige Kontrast zu den sinkenden Einnahmen aus Stromverkäufen und dem hohen Frankenkurs, sowie dem Wasserzins, der Berggemeinden bezahlt werden muss, verleiteten Roger Pfammatter bei einem Referat in Visp im April 2015 zu Skepsis: "Die Situation ist dramatisch. Die Wasserkraft wird zur Verliererin der Energiewende. Sie ist in ihrer Substanz gefährdet. Anstatt vom Ausbau zu träumen, geht es nun darum, den Bestand zu erhalten." Pfammatter fordert langfristig eine konsequente europäische Klimapolitik, die CO-2 belastet, Wasserkraft und Wasserkraft nicht mehr diskriminiert. Gleichzeit wünscht er sich für die Branche eine kurzfristige Entlastung durch eine Abgabenreduktion.

Mauer um die Erde

Die tiefen Strompreise treibt eine Branche in die Krise, die einst zu den Flaggschiffen der Schweizer Wirtschaft gehörte und auch der sich durchaus auch der nationale Stolz nährte, weil sie auf Ingenieursleistungen von weltweiter Bedeutung fussten. Zum Beispiel Grande Dixence.

Der Grande Dixence ist die höchste Gewichtsstaumauer der Welt. Die Betonwand ist 285 Meter hoch und kann es damit beinahe mit dem Eifelturm aufnehmen. Er liegt im Val des Dix, das im oberen Teil des Val d‘Hérémence beginnt. Der Wildbach im Tal heisst Dixence. Einer Legende nach soll der Flurname vom Kampf gegen zehn (dix) Sarazenen stammen. Die rund 700 m lange und 15 Meter breite Mauerkrone auf 2365 Meter über Meer bildet eine riesige Aussichtsterrasse, von der aus der Blick bis ins über 20 Kilometer entfernte Rhonetal reicht. Die Staumauer Grande Dixence ersetzte 1965 die nunmehr überflutete Dixence-Staumauer. Der Bau der neuen Staumauer, die Teil einer grossangelegten, hydroelektrischen Anlage ist, dauerte beinahe 15 Jahre. Während dieser Zeit waren bis zu 3'000 Arbeiter vor allem aus Italien und der Schweiz beschäftigt. Sie verarbeiteten die Baumaterialien vor Ort und benötigten dabei derart viel Beton, dass damit auf dem Äquator eine 10 Zentimeter Breite und ein Meter hohe Mauer um die Erde gezogen werden könnte. Der Stausee ist fast 230 Meter tief und fasst 400 Millionen Kubikmeter Wasser. Er hat ein Einzugsgebiet von 420 km2, das zu zwei Dritteln von Gletschern bedeckt ist. Diese 35 Gletscher speisen mit Hilfe von 80 Wasserfassungen, 5 Pumpwerken und einem 100 km langen Stollennetz den Lac des Dix. Weil das Wasser vieler Gletscher unterhalb der Seehöhe austritt, muss das Wasser hoch gepumpt werden.


Auch heute noch imposant: Die Staumauer des Grande Dixence. 

 

Kalter Staudamm

Die 2000 Megawatt, die in den vier Kraftwerken erzeugt werden, dienen der Stromversorgung von 17 Kantonen und entsprechen 20 Prozent der speicherbaren Energie der Schweiz. Um die Wasserkraft optimal auszunutzen, wird das Wasser zweimal turbiniert: zunächst auf 1490 m ü.M. im Kraftwerk Fionnay und anschliessend 1'000 Meter weiter unten auf der Höhe der Rhone, im Kraftwerk Nendaz. Innerhalb von 200 Sekunden kann hier die Energieleistung eines Kernkraftwerkes erreicht werden. Dies entspricht dem durchschnittlichen Verbrauch von 400'000 Haushaltungen. Die Besucher können in das mit unzähligen Stollen ausgebaute Innere der Staumauer gehen. Die informative Führung mit einem kleinen Film von der Bauphase dauert eine Stunde. Warme Kleidung sollte dabei sein, denn innerhalb der Gemäuer ist es das ganze Jahr über sechs Grad. Das Val des Dix dient aber nicht nur der Stromerzeugung, es ist auch ein ausgedehntes Naturschutzgebiet. In Zusammenarbeit mit Pro Natura Wallis den Steinbock-Höhenweg geschaffen, einen Naturpfad, auf dem die Tier und Pflanzenwelt des Val des Dix oberhalb der Staumauer der Grande Dixence besichtigt werden kann.


Wandertipp:


Das Innere des Staudamms Grande Dixence kann besichtigt werden. 

Eine besondere Herausforderung bietet die sechstägige Rundwanderung, die das Vallon de Réchy, das Val d’Hérens, und den Stausee des Grande Dixence umfasst. Die Tour pedestre du Val d`Hérens benötigt etwas Kondition. Am fünften Tag geht es auf gut 3`000 Meter hinauf. Das Gepäck muss allerdings nicht getragen werden, denn im Arrangement ist ein Gepäckdienst zwischen den Herbergen inbegriffen. Vermittlung bei Tourismus Val d´Herens, Euseigne. Tel. 027 281 28 15 oder www.valdherens.ch.

 

Informationen 
Tourismusbüro 
Val d'Hérens 
Route de la Vallée 
1982 Euseigne
Tel. 027 281.28.15

www.valdherens.ch

 

 

 

 

Die Perle soll wieder glänzen

Die Thur ist eine besondere Wasserperle. Doch die Ansprüche an den Fluss sind vielfältig. Während man im Oberlauf die Wasserkraft nutzen möchte, ergreift man im Unterlauf jede erdenkliche Massnahme, um Hochwasser verhindern. Dagegen setzen sich Umweltschutzorganisationen ein. Das Beispiel zeigt, wie umkämpft Wasserläufe sind.

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Landschaft mit Schnee und Eis: Die Thurfälle in Unterwasser

Zwischen dem mächtigen Tosen, der schäumenden Gischt und der erfrischenden Kühle selbst im Sommer bei den Thurfällen auf der einen Seite und der fast tropisch wirkenden, dichten und von Bibern bewohnten Mündungsspitze am Rhein auf der anderen Seite liegen scheinbar Welten. Verbunden werden sie durch die Thur, deren Wasserband sich über 127 Kilometer in die Länge zieht und von den flachen Zürcher und Thurgauer Ebenen bis ins hügelige Toggenburg reicht. Die Artenvielfalt der Thur ist im landesweiten Vergleich einzigartig. Eine erste Thurerweiterung, die so genannte zweite Thurkorrektion, fand im Gebiet Schäffäuli bei Niederneunforn westlich von Frauenfeld zwischen 1993 und 2002 statt. Die Renaturierung ist abgeschlossen und Anwohner sowie Freizeitaktivisten schätzen das Ergebnis. In ökologischer Hinsicht hat sie aber nicht viel gebracht. 
Dass nach der ersten Erweiterung in Niederneunforn die Artenvielfalt der bei den Wasserbewohnern nicht wesentlich zugenommen hat, liegt an der Seltenheit dieser ökologischen Trittseine. Sie müssten viel öfter gebaut werden. Deshalb setzen sich Umweltorganisationen für eine Gesamtplanung ein. Mit kluger Planung sei Sicherheit und Artenvielfalt miteinander vereinbar.

 

Im Korsett eingezwängt

Das Einzugsgebiet der Thur aber auch seiner wichtigen Zuflüsse Sitter, Urnäsch und Necker ist der Alpstein. Die regenreiche Region macht die Thur zu den Schweizer Flüssen mit dem grössten Schadenspotential. Sie ist wild, schwillt schnell an und kann grosse Flächen überschwemmen. Um das zu verhindern, wurde vor allem im Thurgau höhe Dämme gebaut. 
Nachdem die Thur 1977 und 1978 im Thurgau trotzdem starke Überschwemmungen verursachte, reagierte der Kanton ein Jahr später mit dem Thurrichtprojekt. Eine zusätzliche Extremereignisstudie zeigt, was passiert, wenn mehr Wasser kommt, als das zu erwartende "Hundertjährliche", das auch aus der Geschichte bekannt ist. Demnach ist das Schadenspotential gross und die Ortschaften Kradolf, Bürglen, Weinfelden, Müllheim und Teile von Pfyn könnten überflutet werden. Das Schadenspotential beträgt über 700 Millionen Franken. Gemäss Thurrichtplan und der Extremereignisstudie stand vor der Jahrtausendwende fest, dass an der Thur in den Hochwasserschutz investiert werden muss.

 


Ein Bild, das so nur noch im Friaul zu sehen ist: Die Thur bei Niederbühren um 1920.

 

Gleichzeitig müssen die Bauvorhaben mit dem neuen Gewässerschutz in Einklang gebracht werden. Doch Hochwasserschutz und Artenvielfalt schliessen sich nicht aus. Im Gegenteil: Nirgends ist die Artenvielfalt grösser als in Übergangszonen zwischen Wasser und Land wie sie in Auenwäldern zu finden ist. Nur muss man dem Fluss Flächen zur Verfügung stellen, die er bei Hochwasser überschwemmen kann. 
Wegen des viel zu schmalen Flussbetts mit teilweise abgesenktem Flussgrund ist die Artenvielfalt verarmt. Das gilt nicht für die gesamte Flussstrecke, aber doch für einen beachtlichen Teil. Dabei wäre das Potential gross. Botaniker bezeichnen die Artenvielfalt an der Thur noch immer als grösser im Vergleich mit ähnlichen Gewässern im Wallis. Dort ist das Klima zwar günstiger, aber die Nutzung der Wasserkraft durch Stromproduzenten viel grösser.

 

Ökologisch nicht viel gebracht

Bereits 2001 verabschiedeten die fünf Thurkantone Appenzell Innerrhoden, Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen, Thurgau und Zürich eine Art Charta mit Zielen für den Wasserbau. Denn dass an und in der Thur mit klugen Massnahmen die Artenvielfalt noch deutlich verbessert werden könnte, ohne den Hochwasserschutz zu vernachlässigen, ist schon lange bekannt. Lukas Indermar, Verantwortlicher für Wasserfragen im WWF-Regiobüro St. Gallen sagt über die Renaturierung bei Neunforn: „Aus heutiger Sicht ist die geplante Aufweitung zu wenig breit. Weder Tiere noch Pflanzen haben genügend Lebensraum. Vor allem deshalb nicht, weil dieser ökologische Trittstein isoliert in der Landschaft steht.“ Richtung Westen sind es zur Thurmündung in den Rhein mindestens 20 Kilometer. Noch weiter ist es bis nach Weinfelden und Bürglen, wo nun die nächste Renaturierung erfolgen soll. Aus Sicht der Umweltorganisationen ist die Distanz zwischen den Aufweitungen zu lang und die geplanten baulichen Massnahmen selber völlig ungenügend. Das Problem ist nicht das Geld sondern der Widerstand der Bauern, die dafür Kulturland verlieren würden. Ziel der nun geplanten Bauten ist der bessere Hochwasserschutz von Weinfelden und Bürglen. Neben der Ausweitung des Mittelgerinnes, der Stabilisierung der Sohle und der Verstärkung des Hochwasserdammes scheint der Punkt Aufwertung der vorhandenen flusstypischen Lebensräume unbedeutend.

 

Keine schlechten Modelle

Für die Umweltverbände geht es um Grundsatzfragen: Die Dämme sind im ganzen Land in die Jahre gekommen. Das Gewässerschutzgesetz sieht nun bei den Dammerneuerungen einen ökologischen Ausgleich vor, ohne dass die Sicherheit leidet. Deshalb wollen sie sich dort wehren, wo Verbesserungen für die Umwelt nur eine Alibifunktion erfüllen. Gleichgültig, ob dies an der Rhone, der Reuss, am Alpenrhein oder der Thur geplant wird: ökologischen Massnahmen bläst ein steifer Wind der widerstandsbereiten Bauernschaft in Gesicht. Selbst wenn das Land – wie im Fall vom Alpenrhein – gar nicht in ihrem Besitz ist. Ausserdem werden Landbesitzer entschädigt. An Geld fehlt es nicht. Die Stromkonsumenten zahlen 0,1 Rappen pro Kilowattstunde in einen Fonds ein und finanzieren damit die Renaturierungen. Die Umweltverbände setzen sich für dynamische Gewässer ein und damit dies möglich ist, braucht ein Fluss alle vier bis sechs Kilometer einen ökologischen Trittstein, also eine Fläche, wo sich die Natur ungestört ausbreiten kann. Die Umweltorganisationen wollen sich jetzt hartnäckig für die bestmögliche Lösung einsetzten, weil Uferverbauungen an den Flüssen nach dem Neubau oder der Sanierung wieder fast hundert Jahre halten werden. Mit anderen Worten: Wenn jetzt der Natur nicht mehr Platz eingeräumt wird, geschieht für Generationen nichts mehr. Und dies, obwohl die Schweiz zu den Ländern der Welt gehört mit dem grössten Artenverlust.

 

 

Sauberes Wasser

Der Technikstandard wird bei den Kläranlagen der Schweiz angehoben, um hormonaktive Substanzen zu eliminieren. Die ARA Neugut in Dübendorf ist die erste Anlage, in der grosstechnisch Ozon eingesetzt wird. In Herisau kommt Aktivkohle zum Einsatz.

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Die Glatt wird wieder zu einem sauberen Fluss

 

Die Technik der Abwasserkläranlagen in der Schweiz versagt vielfach bei Mikroverunreinigungen. Immer mehr chemischer Stoffe gelangen in die Abwässer. Sie stammen aus Pflanzenschutzmitteln, Körperpflegeprodukten, Medikamenten, Waschmitteln oder aus spezialisierten Industriebetrieben und der Landwirtschaft. Sie sind oft nur in geringen Spuren nachweisbar. Hormonaktive Substanzen können zum Beispiel den Hormonhaushalt der Fische durcheinander bringen und zu einer Verweiblichung bei männlichen Tieren führen.

Das Parlament hat am Montag beschlossen, das Gewässerschutzgesetz zu verschärfen und den Technikstandard der ARA’s zu heben. 100 von rund 700 Kläranlagen sollen im Laufe der nächsten 20 Jahre eine zusätzliche Reinigungsstufe erhalten. Grundlage bilden Testergebnisse aus Pilotversuchen in Lausanne und Regensdorf. Zwei Verfahren kommen in Frage: Die Ozonung oder der Einsatz von Pulveraktivkohle.

Cornelia Kienle, Mitarbeiterin am Schweizerischen Zentrum für angewandte Ökotoxikologie des Wasserforschungsinstituts Eawag in Dübendorf und der ETH Lausanne hat zusammen mit Kollegen die Methoden geprüft. Sie testete dabei die Wirkung von hormonaktiven Substanzen und andere Mikroverunreinigungen auf den Schlupf, die Entwicklung, das Gewicht und die Sterblichkeit von Regenbogenforellen. Die Testfische wurden in den ersten zwei Lebensmonaten Abwässern nach der konventionellen Reinigung und nach der Behandlung mit Ozon oder Pulveraktivkohle ausgesetzt. Das Ergebnis: Die Folgen der Spurenstoffe auf die Fische war in Abwässern ohne zusätzliche Reinigung deutlich nachweisbar. Aktivkohle oder Ozon hingegen zeigten Wirkung: Die östrogen-aktiven Substanzen gingen 95 bis 100 Prozent zurück. Deutliche Erfolge waren auch bei rund 60 chemischen Stoffen zu verzeichnen, von denen jeder für Dutzende anderer verwandter Stoffe steht.


In Dübendorf wurde bei der ARA Neugut 2015 eine Ozonierungsanlage eingeweiht. Sie sammelt die Abwasser einer Agglomeration von 100 000 Einwohnern. Eine vierte Reinigungsstufe mit Pulveraktivkohle wurde bei einer Kläranlage in Herisau eingebaut, sodass die die belastete Glatt sauberer wird. Beide Anlagen sind der Auftakt zu weiteren ARA-Sanierungen in der ganzen Schweiz. . Der Bund schreibt kein bestimmtes Verfahren vor. Welche Methode sich besser eignet, muss individuell geprüft werden. „Wir wollen bei angestrebten 100 nachgerüsteten Kläranlagen die Mikroverunreinigung um mindestens 80 Prozent senken“, erklärt Michael Schärer, stellvertretender Sektionschef im Bundesamt für Umwelt und Verantwortlicher für Mikroverunreinigungen. Die ausgewählten 100 Kläranlagen, die nun saniert werden sollen, würden meist in dicht besiedeltem Gebiet mit einer Mischnutzung durch Industrie, Landwirtschaft und Wohnüberbauungen liegen. Sie leiten ihre Abwässer in kleine und mittegrosse Flüsse, die teilweise in trockenen Zeiten höchstens so viel Wasser mitführen, wie aus der ARA zusätzlich zufliesst – was zu einer schlechten Verdünnung in den Gewässern führt.

Die Kosten für die Nachrüstung der 100 ARA’s belaufen sich verteilt auf 20 Jahre auf rund 1,2 Milliarden Franken. Zudem wird auch der Unterhalt etwas teurer. Die Bezahlmodelle sind verschieden. In Herisau beteiligen sich die erwähnte Textilfirma, der Kanton, ein Abwasserfonds, sowie die Konsumentinnen und Konsumenten über den Wasserpreis.

  

 

Wissen vermehren

Der Klimawandel rückt die Gefahr der Naturkräfte stärker ins Bewusstsein. Ins Bewusstsein rückt auch der Umstand, dass fast die ganze Schweiz von Zerstörungen betroffen sein kann. Mit dem Lehrgangs zum „Naturgefahren-Berater“ möchte das BAFU die Kompetenzen lokaler Behörden vor Ort verbessern.

 

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Ein Fluss im Haus: Anwohner des Mattequartiers 2005. 

Der Winter 1998/1999 ist vielen als Lawinenwinter in Erinnerung. Extreme Schneemengen bedrohten viele Alpentäler. Als es dann im Frühjahr noch häufig regnete, entwickelte sich eine neue Drohkulisse: Jene des Hochwassers. Das Schmelzwasserliess Flüsse und Seen im Mittelland stark ansteigen. Als im Mai die erwähnte Regenperiode hinzukam, standen Uferabschnitte beispielsweise am Untersee wochenlang unter Wasser. Schlimm erwischte es in der Stadt Bern die Matte, jenes Altstadtquartier, das im Aareknie liegt. Die Anwohner konnten praktisch mit dem Boot in die ersten Stockwerke ihrer Häuser einsteigen.

Mit dem Absinken des Aare-Pegelstandes verblasste auch die Erinnerung schnell. "Es gab scheinbar keinen Anlass zu handeln", erinnert sich Rosmarie Bernasconi, Inhaberin des Buchladens "Einfach Lesen", der ebenfalls überschwemmt wurde. "Schliesslich war es ein Jahrhunderthochwasser." 

Doch im August 2005 war es wieder so weit. Opfer der Überschwemmungen im Mattequartier wurden auch die letzten Exemplare von Bernasconis Buch über das Hochwasser von 1999. Jetzt handelte die Stadt. Sie richtete Interventionsplätze ein, wo der Untergrund verstärkt wurde, damit schwere Fahrzeuge im Bereich Tych ans Ufer fahren können. Mit Kranen lässt sich nun das Schwemmholz schnell aus dem Wasser fischen, bevor es den Durchfluss verstopfen kann. Vor den Häusern baute das Tiefbauamt Verankerungen in die Böden. Dank diesen können bei drohendem Hochwasser Dammbalken aus Aluminium montiert werden. Zudem führte die Berufsfeuerwehr der Stadt Bern ein SMS-Warnsystem ein, das bei drohendem Hochwasser die Anwohner auffordert, ihre Autos und andere wertvolle Besitztümer aus der Gefahrenzone zu bringen.
Die Tage zwischen dem 19. und dem 23. August 2005 brachten in der ganzen Schweiz enorme Niederschläge. Aare, Reuss und Limmat hatten Höchststände, wie sie seit 1910 nicht mehr beobachtet wurden.. Es kam landesweit zu 5'000 Rutschungen. Die Schäden beliefen sich auf rund drei Milliarden Franken.

 

War er schon vergessen? Bericht über das Jahrhunderthochwasser 1999. Beschädigt beim Jahrhunderthochwasser 2005. 

 

Zwei so genannte Jahrhunderthochwasser in kurzer Zeit veranlassen das BAFU zu handeln. Nach dem Vorbild der zweistufigen Kurse für das Management von Lawinengefahren, entwickelte das BAFU ein Kursmodul, das die Teilnehmer als „Naturgefahren-Berater“ oder „Naturgefahren-Beraterin“ abschliessen. Der Grund für die Initiative: Grössere Städte wie Bern sind in der Lage, sich selber zu helfen, aber kleinere Städte und Gemeinden sind bei Katastrophensituation überfordert. Das fängt bei kleinen Dingen an. Ein Naturgefahren-Berater hat ein Auge dafür entwickelt, wo Autos weggeschwemmt werden können, wo Keller vorzeitig geräumt werden sollten, wo Sandsäcke schützen könnten und wo Schutzschläuche nötig sind.

Die Kurse thematisieren die Selbsthilfe bei den gängigen Gefahren. Je nach Region droht die grösste Gefahr durch Hochwasser, durch Felsstürze oder Murgänge. Die Ausbildung ergänzt das bereits vorhandene, lokale Wissen. Naturgefahren-Berater wirken in ihren Gemeinden präventiv, aber auch während eines Schadenereignisses, und bei der Schadensanalyse. Bei der Analyse gilt es vor allem zu klären, ob zu früh oder zu spät gewarnt und die richtigen Massnahmen getroffen wurden. Die notwendigen Rückschlüsse aus den Wetterinformationen für die Einwohner in den Städten und Gemeinden muss das dortige zivile Führungsorgan mit den Naturgefahren-Beratern ziehen. Der Hochwasserschutz ist ein dynamischer Prozess. Denn die Starkniederschläge nehmen stetig zu und durch die ebenfalls zunehmende Versiegelung und Verbetonierung des Landes nimmt die Fläche ab, die Wasser aufnehmen könnte. Also müssen immer grössere Mengen Wasser in derselben Zeit wie früher abfliessen können. Was als Hochwasserschutz vor 50 Jahren noch funktioniert hat, kann jetzt versagen. 
Im August 2007 hätte es im Mattequartier von Bern wieder soweit sein können. Der Ernstfall trat ein. Die SMS-Warnungen der Feuerwehr trafen rechtzeitig ein und der verstärkte Untergrund ermöglichte es, mit schweren Fahrzeugen das Schwemmholz wegzubringen. Wassergefüllte Schutzschläuche boten wie Dämme einen Gegendruck zu den Wassermassen und wo doch Wasser eindrang, wirkten die Aluplatten als Dämme. Zwar braucht es noch weitere bauliche Massnahmen, um einem Hochwasser wie 1999 standzuhalten, aber der Prozess für einen verstärkten Hochwasserschutz mit den notwendigen präventiven Massnahmen ist nicht nur in Bern, sondern in vielen Regionen im Gange.

Mehr Informationen: www.planat.ch

 

 

 

Wie wird aus Wasser Strom

In Churwalden können Interessierte genauer hinschauen, wie Wasser in Strom verwandelt wird. Dank der anschaulichen Präsentation ist die Chance der Besucherinnen und Besucher im Lehrkraftwerk hoch, dass sie es danach auch verstehen.

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Klein aber fein: Das Demonsrationskraftwerk in Churwalden

 

Dass Wasser über eine Turbine fliesst und die dann irgendwie Strom produziert gehört zum allgemeinen Wissenskanon. Doch wie steuert man eine Turbine? Jedenfalls scheint es knifflig zu sein, als ein Lehrling den Auftrag hat, durch manuelle Steuerung einer Pelton-Turbine, sechs Glühbirnen mit Strom zu versorgen und ihr Leuchten zu erhalten. Ein Kollege kurbelt hektisch an einem Rädchen, das die Wasserzufuhr regelt, ein anderer schlägt sich damit herum, mit einem Drehregler die Spannung bei den gewünschten 230 Volt einzupendeln. Das ganze System gerät aus den Fugen, als einer aus Spass unbemerkt den Strahlablenker einschwenkt, bis die Turbine mangels Wasserzufuhr ausläuft und die Lichter ausgehen. Ruedi Hodel ist für einen Moment ratlos. Er weiht als Instruktor des Schweizerischen Vereins für Lehr- und Demonstrationskraftwerke an diesem Nachmittag Anlageführer-Lehrlinge aus der ganzen Ostschweiz in die Geheimnisse der Stromproduktion aus Wasserkraft ein. Doch nichts ist passiert. Das Kleinwasserkraftwerk mit einer Nennleistung von zwei Kilowatt ist extrem fehlertolerant ausgelegt, um bei einer Fehlbedienung nicht Personen oder die Anlage zu gefährden. Niemand würde auf die Idee kommen, dass in dem holzverschalten Gebäude hoch über Churwalden eine Turbine mit zwei Generatoren untergebracht ist. Von aussen wirkt es eher wie ein Stall als wie ein Miniatur-Kraftwerk zu Schulungszwecken. Hodel muss je nach Wissensstand des Publikums im Schulungsraum weit ausholen oder kann gleich zur Sache kommen. Die Anlagebauer-Lehrlinge hören sich aufmerksam Hodels’s theoretische Erläuterungen an und beweisen ihre Fachkenntnis, die über das Laienwissen vom fliessenden elektrischen Strom hinausgeht. Anschaulich gemacht werden Gleich- und Wechselstrom, Elektromagnetismus oder die Funktionsweise von Hochspannungsleitungen an verschiedenen Tafeln, wo es auch mal blinkt, ein Zeiger ausschlägt oder Metallstäbe am Elektromagneten ausgerichtet werden. Lässig nimmt Ruedi Hodel einen reichlich deplatzierten, dummen Spruch eines Lehrlings auf, um ihn mit einer Gegenfrage herauszufordern und ins Thema – es geht um Transformatoren, die den Spannungswechsel bei Überlandleitungen regeln – zurückzuholen. 

Abstraktes Thema anschaulich machen

Tatsächlich, sagt später ein Reallehrer, es sei heute zunehmend schwieriger, Jugendliche für ein so abstraktes Thema wie die Stromproduktion zu gewinnen. „Die allzeit verfügbare Elektrizität wird als Selbstverständlichkeit betrachtet. Man fürchtet sich zwar vor den Folgen eines atomaren Super-Gaus, aber das war‘s dann eigentlich schon. Die Konsequenzen, die ein Atom-Ausstieg für die künftige Stromherstellung hat, interessieren hingegen kaum“. Mit dem Lehrkraftwerk könne es noch am ehesten gelingen, an diesem Desinteresse zu rütteln, und mehr als nur eine Ahnung davon zu vermitteln, wie der Strom in die Steckdose kommt. Mit dem Lehrkraftwerk gelingt es, die Brücke zwischen Theorie und Praxis elegant und einprägsam zu schlagen. Was im Grosskraftwerk in den Maschinenhallen einen Höllenlärm verursacht, ansonsten aber hinter dickem Metall verborgen ist, kann im Schulungsraum des Lehrkraftwerks en miniature hautnah betrachtet werden. Herzstück ist die unter Plexiglas sichtbare Pelton-Turbine, eine Miniaturversion der meterhohen Schaufelräder, wie sie in grossen Hochdruckkraftwerken zum Einsatz kommen. Das Wasser schiesst aus zwei vierhundert Meter langen, einzeln oder gemeinsam nutzbaren Druckleitungen heran, die aus einem 40 Meter höher gelegenen Reservoir mit 10‘000 Litern gespiesen werden. Sieben Liter Wasser pro Sekunde werden bei Maximalleistung (2,7 Kilowatt) in die Turbine geleitet. Die beiden Leitungen haben ein Durchmesserverhältnis von eins zu zwei. Damit lassen sich die Leistungsverluste illustrieren und am Messinstrument ablesen.


Eins zu eins umgesetzt

Geregelt wird die Leistung der Turbine mit einer Düse, die Hodel in Grossversion zeigt. Die Steuerung übernimmt jeweils ein kleiner Elektromotor, dessen hektisches Hin und Her bei automatischem Start der Anlage, Beschleunigung der Turbine auf 1'000 Umdrehungen pro Minute und Erreichen des gewünschten Leistungspegels, die Zuschauer in den Bann zieht. Im Lehrkraftwerk ist aber auch ein reiner Handbetrieb möglich, um eine Vorstellung davon zu bekommen, was es heisst, eine Turbine mit einem regulierten Wasserstrahl ins Drehen zu bringen. Wenn die Anlage nicht zu Demonstrationszwecken benützt wird, läuft sie automatisch und speist Strom ins Netz ein.

Hier können die Schülerinnen und Schüler selber Strom produzieren. 


Die beiden zur Auswahl stehenden Generatoren – ein Asynchron- und ein Synchrongenerator – können aber auch im Inselbetrieb, also abgehängt vom Netz betrieben werden. Dann schaltet Ruedi Hodel einen Kasten mit verschiedenen Glühbirnen zu, die in verschiedener Abstufung zu- und weggeschaltet werden können und die Turbine zu hohen- oder weniger hohen Drehzahlen nötigen. Am Hilfssteuerpult dürfen die Besucher selbst die Operateure sein. Es macht Eindruck, wenn die Turbine unvermittelt aufheult oder die Düse hektisch zugedreht werden muss, um einem Lastabwurf – das Abschalten aller angeschlossen Stromquellen – entgegenzuwirken. 
Mehr Informationen unter www.svld.ch

Von der Liebesgabe zur geplanten Solidarität

Die Geschichte des Hochwasserschutzes ist ein Musterbeispiel für die Entwicklung eines Solidarsystemes von der reinen privaten Spende hin zu einem modernen Versicherungsstaat.

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Das Bild zeigten einen Aufruf, Überschwemmungsopfern zu helfen. 

 

Nidwalden, am 10. August 1806: Ein Gewitter zieht sich über dem Engelberger Aatal zusammen und entlädt sich in einem „vielstündigen, beyspiellosen Wolkenbruch, als ob die Schleussen des Himmels zum Untergange des Gebürges und des Thales sich geöffnet hätten“, wie ein Chronist schrieb. Schlammlawinen und Erdrutsche begraben Häuser und Fahrwege, Hochwasser schwemmen Ställe und Vieh fort. Vier Monate später ergeht der freundeidgenössische Appell: Helft den von der Wassernot Geschädigten mit einem Almosen auf. Indes: Erst im darauf folgenden Jahr sehen die Katastrophenopfer etwas von dem Spendengeld.

2005, also bald 200 Jahre später, nähert sich im August das Genua-Tief und schüttet sich über der Innerschweiz aus: Im Engelberger Tal reisst das Geschiebe aus Stein und Schlamm Häuser nieder. Die sintflutartigen Regenfälle lassen den Vierwaldstättersee über die Ufer treten. Stansstad, Kehrsiten, Buochs und Beckenried sowie das von der Engelberger Aa geflutete Ennetbürgen stehen unter Wasser. Erdrutsche haben in Grafenort, Oberrickenbach und Wolfenschiessen Gewerbebauten und Bauernhöfe schwer beschädigt. Die Schäden belaufen sich auf 90 Millionen Franken. Die Schäden werden jetzt nicht mehr von spendefreudigen Miteidgenossen gedeckt – es ist nun Aufgabe der Gebäudeversicherer, hier gerade zu stehen.

 

Mahnung von der Kanzel

Zurück ins Jahr 1806. Im November erliess Landammann Andreas Merian, der damals der Eidgenossenschaft als eine Art Staatschef vorstand, ein Rundschreiben an die Kantone: „Im Namen des gnädigen Gottes und des gemeinsamen Schweizer Vaterlandes“ rief er zur nationalen Kollekte für die Geschädigten des Bergsturzes und den Überschwemmungsopfern Nidwaldens auf. Vor allem Pfarrer und Geistliche hatten nun den Auftrag von der Kanzel herunter das Gebot der Solidarität zu künden. Und die Prediger hatten in einem Zeitalter, in dem die Katastrophen nicht beinahe zeitgleich zum Ereignis über die Bildschirme liefen, mit viel rhetorischem Geschick die Herzen und damit die Portemonnaies ihrer Zuhörer zu öffnen.

Das Katastrophenjahr 1806 bildet den Auftakt zu einer Serie von national das Mitgefühl mobilisierenden „Liebesgaben“ – das Wort Spenden ging erst im 20. Jahrhundert in den helvetischen Wortschatz ein. Typisch dafür ist das „Landesunglück“ im Herbst 1868. Das schadensmässig grösste Hochwasser des 19. Jahrhunderts setzte weite Teile der Kantone Wallis, Tessin, Uri , Graubünden und St. Gallen unter Wasser. Damals erhob die straff von „kantonalen Hülfskomitees“ organisierte Spendenkampagne den Schwur der Landleute in Schillers „Tell“ zum Slogan: „Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern, in keiner Not uns trennen und Gefahr.“ Zurecht stellte der emeritierte Berner Umwelthistoriker Christian Pfister fest: Katastrophen dienen als „Plattform für die Festigung der nationalen Identität“. Denn neben der Armee, Landesausstellungen oder den eidgenössischen Schwing- und Singfesten, speist gerade die emotionell aufrüttelnde Katastrophen-Solidarität das Kraftwerk patriotischer Gefühle.

 

Professioneller Umgang mit Gefahren

Inzwischen ist die Katastrophenhilfe längst keine patriotische Übung mehr. Die Entwicklung der Naturwissenschaften hat auf breiter Ebene ein präventives Vorgehen ermöglicht. Doch mit dem gestiegenen Wert der Gebäude und dem exzessiven Zubauen der Täler hat sich auch das Schadenspotential erhöht. Andererseits entwickeln sich auch die Massnahmen. 
Als besonders wirkungsvoll erwies sich 2005 die Hochwasserentlastung der Engelberger Aa in ihrem Mündungsgebiet zum Vierwaldstättersee. Exakt wie berechnet kippten die Betonplatten weg, als der Wasserdruck auf 200 Kubikmeter pro Sekunde anstieg. Sie gaben den Weg frei für eine Überlauffläche. 
Aber immerhin hat sich bei den Überschwemmungen 2005 eines herausgestellt: Die computersimulierten Gefahrenkarten, in die alle historisch fassbaren Extremereignisse von Erdrutsch über Hochwasser bis zu Sturmschäden als Datenmaterial eingeflossen sind, stimmen. Das Hochwasser hat genau die Fläche bedeckt, welche die Gefahrenkarte für eine Flut von diesem Ausmass vorausgesagt hatte.

 

 

 

Panzerglas und Freseken

Hochwasserschutz beschränkt sich nicht auf den Dammbau entlang von Strömen und Flüssen. Er beginnt schon viel früher. Dort wo es häufig regnet: In den Bergen. Dort sind die Gewässer zwar noch kleiner, dafür das Gefälle grösser. Unter dem Strich gibt es deshalb auch in den Alpenregionen ein grosses Gefährdungspotential.

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Traurige Erinnerung auf dem Friedhof von Gondo. Am 14. Oktober 2000 kamen hier 13 Menschen ums Leben.

Mit hübschen Fresken sind die Fensterrahmen des Wohnhauses im Ortsteil Godin in Pontresina verziert. Den Fenstern vorgelagert ist 30 Millimeter dickes, dreischichtig verklebtes Panzerglas. Das grün schimmernde Glas muss einen Druck von drei Tonnen pro Quadratmeter Glas aushalten. Es ist der Druck gewaltiger Schneemassen. Ausgelöst werden solche Lawinen an den aus dem Tal gut sichtbaren, steilen Hängen unterhalb der Segantini-Hütte. Sie donnern mit bis zu 200 Stundenkilometern durch zwei extrem steile Rinnen hinunter und holen dabei so viel Schwung, dass sie trotz des rasch flacher werdenden Geländes im schlimmsten Fall bis in den Talgrund vordringen.

Mit technischen Massnahmen versuchen Menschen, Wassermassen von dort fern zu halten, wo sie Menschenleben oder Kulturobjekte zerstören könnten. Mächtige Dämme entlang von Fliessgewässer zu bauen, ist zwar einfach, aber auch teuer. Nicht weniger billig und oft eine grosse Herausforderungen an die Ingenieure sind Schutzmassnahmen in Bergregionen. Denn dort werden die Menschen gleich dreifach bedroht: Von Lawinen, Steinschlag und Murgängen, die eine Mischung aus Wassermassen, Erde und Geröll sind, die ins Tal rutschen. 
1976 erreichte eine Lawine letztmals das Gebäude, in dem sich das Büro des Bauingenieurs Dino Menghini befindet. Aber: „Niemand kann das Ausmass eines Lawinenabgang präzise vorhersagen“, sagt Menghini. Gerade deshalb sei grösste Vorsicht am Platz.
Es braucht Verstärkungen: Panzerglas vor den Fenstern, dicke Mauern, die als „Lawinenfang“ Haustüren schützen oder Erdaufschüttungen vor den bergseitigen Wänden, die einer Lawine die grösste Wucht nehmen. Menghini arbeitet im Dienste der Gebäudeversicherung Graubünden. Zu ihren Händen erlässt er die Auflagen, mit Verstärkungen die Gebäude so zu sichern, dass sie auch der schlimmsten hier zu erwartenden Lawine standhalten können. Die Risikoabschätzung ist im Kanton Graubünden Aufgabe der aus unabhängigen Fachleuten zusammen gesetzten Gefahrenkommissionen. Viel Physik steckt dahinter, mathematische Gleichungen, dazu die Erfahrung aus der Naturbeobachtung. Das Ergebnis ist eine Annäherung an die Katastrophe, wie sie, was letztlich niemand hofft, eintreten könnte. Die Unabhängigkeit des Gremiums ist unabdingbare Voraussetzung für dessen Arbeit. Es sind zwei Interessenssphären, die es auszuklammern gilt. Jene der Grundeigentümer und jene der Gebäudeversicherung. Wer ein Haus in einer gefährdeten Zone bauen will, hat, verständlicherweise, keine Freude an den Auflagen, etwa, wenn das Gebäude auf einen Sockel gestellt werden muss, weil es in einem potentiellen Überschwemmungsgebiet liegt. Mehrkosten, aber auch eingeschränkte architektonische Gestaltungsmöglichkeiten werden moniert. Anderseits kann es nicht Aufgabe der in der obligatorischen Gebäudeversicherung zusammengefassten Allgemeinheit sein, überproportional hohe Risiken mitzutragen. Der Kanton Graubünden überträgt wie 19 der 26 Schweizer Kantone die Gebäude-Versicherungspflicht an die staatseigene Gebäudeversicherung. Etwa 4'000 der 150'000 Gebäude im Kanton Graubünden liegen in der blauen, cirka 700 sogar in der roten Zone, in der eigentlich ein Bauverbot herrscht. Es handle sich um Häuser, die schon vor dem Erlass schärferer Bestimmungen erbaut wurden. 
Muren und Schlammlawinen haben ein riesiges Zerstörungspotential. Zwei s-förmig angelegte Dämme mit einem Bach-Durchgang in der Mitte, 13 Meter hoch, bis zu 67 Meter breit und 230 Meter lang, sollen in Pontresina davor schützen. Der Schafberg oberhalb des Dorfes ist nicht mehr als eine Ansammlung von Geröll, das zusammengehalten wird von der Kraft gefrorenen Wassers: Permafrost. Doch er beginnt zu schmelzen. Am 3303 Meter hohen Corvatsch, einem markanten Engadiner Skiberg, wird die Temperatur im Permafrost in verschiedenen Tiefenstufen seit 1987 kontinuierlich gemessen. Der Trend ist klar: Es wird wärmer. Damit droht ein Gleichgewicht aus den Fugen zu geraten, das an extremen Stellen wie am Schafberg das Tal jahrtausendelang vor einer Naturkatastrophe bewahrt hat. Starkniederschläge im Sommer könnten im aufgeweichten Untergrund Muren auslösen, die im schlimmsten Fall grosse Teile von Pontresina unter sich begraben hätten.

Einen solchen Murgang hat auch das Walliser Dorf Gondo im Jahr 2000 erlebt. Das Dorf ist zwar wieder aufgebaut, doch erholt haben sich die Menschen nicht wirklich. Im Jahr 2000 lebten hier noch 120 Einwohner. 2007 waren es noch 70. Die Schule ist inzwischen geschlossen worden. Denn in Zeiten des Klimawandels wird das Leben in den Bergen nicht unbedingt sicherer. 

 

Scheinbare Normalität, aber nichts ist, wie es war: Gondo.


Schmelzender Permafrost und das schon 150 Jahre andauernde Abschmelzen der Gletscher sind nur eine Folge der Klimaveränderung im Alpenraum. Noch weit gravierender könnte eine Veränderung der Niederschläge sein, wie sie im Expertenbericht des International Panel on Climate Change (IPCC) für den Alpenraum prognostiziert wird. Gerechnet wird mit rund 10 Prozent mehr Wasserabfluss auf der Alpennordseite, während auf der Südseite die Starkniederschläge deutlich zunehmen dürften. Häufigere Hochwasser und Erdrutsche sind eine mögliche Folge. Ob die verheerenden Hochwasser vom August 2005, die im ganzen Alpenraum grosse Schäden anrichteten, schon eine Folge der Klimaveränderung sind, kann heute niemand mit letzter Sicherheit beantworten. Die Unwetterschäden, die 2005 im ganzen Kanton mit 24,11 Millionen Franken das Vierfache eines durchschnittlichen Jahres erreichten, zeigen auch: der dramatischen Landschaftswandel, die intensivere Besiedlung auf einst wertvollem Bauernland, lässt das Schadensrisiko ansteigen. Der Mensch gestaltet die Natur, er macht sie zur Kulturlandschaft – auch im Alpenraum. Er baut auf, er zerstört, oder er lässt zerfallen, was nicht mehr benötigt wird.


Wandern auf dem Klimaweg

Der Klimawandel ist nicht nur ferne Zukunftsprojektion, er findet statt, schon heute. Das lässt sich auf dem Klimaweg sehr anschaulich erfahren. Auf 18 Tafeln werden die sichtbaren Veränderungen anschaulich erläutert. Der Weg führt von der Bergstation Muottas Muragl über den Schafberg zur Alp Languard, wo man mit der Sesselbahn ins Tal nach Pontresina gelangt. Unter www.klimaweg.ethz.ch lässt sich der Klimaweg auch virtuell erkunden. Wanderzeit 3 ½ Stunden, Schwierigkeitsgrad mittel.

 

 

 

 

Trinkwasser für Millionen

Der Bodensee ist das grösste Lebensmittellager Europas. Sein Wasser ernährt Millionen von Menschen. Dabei ist es so sauber, dass es praktisch nicht behandelt werden muss.

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Das Wasser ist bereit für den Transport über hundwerte von Kilometern. (Bild BWV) 

«Das Prinzip aller Dinge ist Wasser; aus Wasser ist alles, und in Wasser kehrt alles zurück.» Thales, griechischer Philosoph

Kälte und Dunkelheit. Und in der Mitte liegt der Quellbehälter. Er fasst 40'000 Kubikmeter Wasser, ist im Besitz der Bodensee-Wasserversorgung und liegt auf dem Sipplinger Berg hinter Überlingen am nördlichen Ufer des Bodensees. Hier auf über 700 Meter Höhe wird das aus 60 Meter Wassertiefe und fünf Grad kalte, hochgepumpte Wasser gereinigt und transportfähig gemacht. Über vier Millionen Menschen in 320 Städten und Gemeinden bis über die süddeutsche Metropole Stuttgart hinaus beziehen das Qualitätswasser aus dem Schwäbischen Meer. Damit ist die Bodensee-Wasserversorgung der grösste Zweckverband seiner Art in der Bundesrepublik. Über 120 Millionen Kubikmeter werden ihm jährlich entnommen. Das entspricht gerade mal drei Prozent des Volumens des viel kleineren Zürichsees Um das Wasser ans Ziel zu bringen, stehen 1'700 Kilometer grosse Hochdruckleitungen zur Verfügung. Die mächtigsten Gussleitungen haben einen Durchmesser von 2.25 Meter. Bevor das Wasser auf die Reise geht, durchfliesst es das so genannte Quellbecken. In dieses Becken mit einem Durchmesser von 14 Metern und drei Metern Tiefe stossen 1'000 Litern in der Sekunde hinein. In dem Wasserspeicher muss das Licht gelöscht sein, um Algenbildung zu verhindern. Die Decke wird von unzähligen Säulen getragen. Das Bild erinnert an die berühmten Kavernen des einstigen Konstantinopel. 
Mit zwei Druckleitungen wird das Wasser aus dem Seepumpwerk auf den Sipplinger Berg in die 15 Hektar grosse Anlage gepumpt. Wer in Sipplingen ein grossartiges Wasserschloss erwartet hätte, ist sicherlich enttäuscht. Es ist eine eigene, fast menschenleere Welt hier oben. Alles wird mit Videokameras überwacht. Die Zentrale ist mit unzähligen Monitoren ausgestattet. Trinkwasser ist sensibel und der Zugang dazu schwierig. Von einer Kaserne, die sich in der Nähe befindet, würden Soldaten bei einem Anschlag zur Verteidigung beigezogen. Natürlich stellen vor allem die Tausenden von Motorschiffen und der zunehmende Luftverkehr eine latente Gefahr für das Trinkwasser dar. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde dies beim Flugzeugabsturz in der Nähe bei Überlingen im Jahr 2012 bewusst.

 

Sicherheit fürs Trinkwasser

Die wichtigsten Grenzgewässer der Schweiz sind der Boden- und der Genfersee sowie die Tessiner Seen. Wegen der Wichtigkeit des Bodensees als Trinkwasserreservoir zeichnen sich die Bodenseevorschriften durch strenge Umweltschutzbestimmungen aus. Auf dem Genfersee setzten die französischen Behörden sehr hohe Anforderungen an die Sicherheit durch. Am Bodensee ist die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) zuständig. Eines ihrer wichtigsten Themen ist die Sicherung und die Sicherheit des Trinkwassers. Damit es weiterhin von den 17 Entnahmestellen rund um den See hochgepumpt werden kann. Die grösste dieser Wasserpumpstationen steht in Sipplingen. 180 Angestellte arbeiten dort. Davon sind einige für die regelmässige Qualitätskontrolle im Labor zuständig. Eigentlich ist das Trinkwasser über alle Zweifel erhaben, aber das Seepumpwerk hat eine Achillesferse. Obwohl die Pumpstation im Landschaftsschutzgebiet liegt und es Motorbooten verboten ist, sich dem Uferstreifen zu nähern, gibt es einen potentiellen Gefahrenherd. Direkt am Ufer entlang führt die alte B31, die noch immer viel Verkehr aufnimmt. Ausserdem besteht durch einen unstabilen Hang ständige Rutschgefahr. 2005 versenkte ein Bauer zwei Fünfliter-Kanister eines Pflanzenschutzmittels in der Nähe von Sipplingen im See. Der Mann übte mit seiner Tat eine Art Selbstjustiz, weil er sich von den Behörden ungerecht behandelt fühlte. Doch seine zehn Liter Pflanzengift wären im See derart verdünnt worden, dass man die Substanzen bald kaum mehr hätte nachweisen können. Von der Wasserentnahmestelle, einem 10 Meter hohen Turm in 60 Meter Tiefe, fliesst das Wasser in drei Röhren zum Seepumpwerk Süssenmühle. Von dort transportieren es vier Pumpen mit einer Leistungsfähigkeit von 2'000 Litern in der Sekunde und zwei Pumpen mit einer Leistungsfähigkeit von 3'000 Litern in der Sekunde auf den über 700 Meter hohen Sipplinger Berg. Vom Quellbecken weg fliesst das Wasser durch zwölf reinigende Mikrosiebe, bevor es anschliessend ozoniert, das heisst mit hochaktivem Sauerstoff entkeimt wird. Nach einem Aufenthalt im Zwischenbehälter durchfliesst das Wasser eine Sandschnellfilteranlage. Im Reinwasserbehälter wartet es anschliessend auf seinen langen Transport nach Norden. Bevor es soweit ist, bekommt es eine geringe Menge Chlor beigefügt, um Keimbildungen unterwegs zu verhindern. Denn bis das Wasser im Rhein-Main-Gebiet angekommen ist, kann es bis zu sieben Tage dauern.

 


Sicherheit ist in Sipplingen gross geschrieben. (Bild BWV)

Auch wenn die Dimension der entnommenen Wassermenge eindrücklich ist, macht sie doch nur einen verschwindenden Bruchteil des Bodenseewassers aus. Man könnte sie kaum vom Pegelanzeiger ablesen. Der See besitzt eine Oberfläche von 539 Quadratkilometern. Die grösste Tiefe beträgt 252 Meter und der Seeinhalt 50 Kubikkilometer; das ist in Kubikmetern eine Zahl mit 10 Nullen.
Sowohl bezüglich der Wasserhärte als auch des pH-Wertes kann das Bodenseewasser als ideal ausgewogen bezeichnet werden. So steht es zumindest auf einem Informationsblatt der Bodensee-Wasserversorgung. Auch bei Nitraten und anderen ungünstigen Verbindungen liegt das Wasser weit unter den Grenzwerten.


St. Gallens Pionierrolle vor fast 100 Jahren
1895 gab die Stadt St. Gallen den Startschuss zur Nutzung des Trinkwassers im Bodensee. Sie weihte eine Pumpleitung von Rorschach nach St. Gallen ein, die die Gallusstadt mit Trinkwasser versorgen sollte. Inzwischen sind auf der Schweizer Seite Seewasserwerke in Thal, Rorschach, Arbon, Frasnacht, Romanshorn, Kesswil, Kreuzlingen und Steckborn in Betrieb. Gemeinsam entnehmen alle Seewasserwerke am Bodensee eine Menge, die dem Zufluss des Alpenrheins in 30 Minuten entspricht. Auf die Schweiz entfallen 13 Prozent der insgesamt 180 Millionen Kubikmeter Wasser.

 

 

 

Spielpatz für Dolomitenwasser

Man nennt ihn den König der Alpenflüsse. Trotzdem ist der Tagliamento, der dem Friaul ein unvergleichliches Aussehen gibt, hierzulande weitgehend unbekannt. Dabei hält er so manche Überraschung bereit.

 Dodo scheint nicht normal zu sein. Sonst würde der Gänsegeier erkennen, dass es für ihn kaum einen ursprünglicheren Lebensraum geben könnte als hier am Tagliamento, den viele Besucher und Wissenschaftler den König der Alpenflüsse nennen. Majestätisch ist der Fluss tatsächlich. Kein Gewässer nimmt für sich soviel Platz in Anspruch wie er. Man sieht sein weisses, bis vier Kilometer breite Band durch das Friaul sogar auf den Satellitenbildern Europas. Es ist der Kalk, der das Wasser des Tagliamento blau, fast karibisch scheinen lässt; selbst dann noch, wenn schwere Wolken grau und tief hängen. Der amerikanische Literaturnobelpreisträger Ernest Hemingway war hier 1917 als Sanitäter an der Front und schrieb darüber den Roman „A farewell to Arms“ der auf Deutsch unter dem Titel „In einem anderen Land“ erschien und mehrmals verfilmt wurde. Fast ungehindert und ohne die gewohnten Dämme mäandert und schlängelt sich der Tagliamento dem Meer entgegen. Hemingway schreibt: Im Flussbett lagen Kieselsteine und Geröll trocken und weiss in der Sonne, und in den Stromrinnen war das Wasser klar und reissend und blau. 

Manchmal formt das Wasser aus dem Schotter eine Bank, dann wieder lädt es im seichten Wasser einen Baumstrunk ab. Auf vielen der Hunderten von Inseln gedeihen Büsche. Doch kaum eine Insel existiert länger als zehn Jahre. Dann hat der Fluss sie wieder aufgelöst, und ihre Bestandteile bilden anderswo eine neue Bank, die zu einer Insel wächst. Das mineralstoffreiche Wasser wirbelt, schiebt und mäandert auf seinem Weg ins Meer. Der Fluss verändert und verwandelt sich in einer dauerhaften Metamorphose.

Oder wie Hemingway schrieb:

"Der Wasserstand war niedrig, und es gab Sand und Steinstrecken, die von einer schmalen Wasserrinne durchzogen waren, und manchmal breitete sich das Wasser wie ein Schimmer über das Kiesbett. In der Nähe des Ufers sah ich tiefe Stellen mit Wasser so blau wie der Himmel."



Versinken und wieder auftauchen: Der Lebensrhythmus des Königs der Alpenflüsse.

 Der Tagliamento entspringt in den Dolomiten und fliesst zu erst in östlicher Richtung. Er zwängt sich durch das enge Tal, um dann als unheimlich mächtiger Strom in die Weite der mediterrane Ebene vorzustossen. Die Alpen präsentieren sich am Oberlauf steil und unnahbar, um dann fast urplötzlich aufzuhören und zur sanften Hügellandschaft zu werden. Nach 170 Kilometern mündet der Tagliamento zwischen Venedig und Triest ins Meer.

Bei einem Wassertropfen, der in den Dolomiten seinen Weg zum Fluss findet, ist es nicht sicher, ob er den direkten Weg zum Meer findet. Etwa 40 Kilometer vor der Meeresmündung versickert ein Teil des Stromes im Schotter. 10 Kilometer vor der Küste bei Latisana zwingt ein breiter Tongürtel im Untergrund das Wasser, wieder aufzusteigen. Das passiert aber nicht im Flussbett, sondern in Dutzenden von kleinen Quellen und Wasserlöchern, die auf ebenso viele Quadratkilometer verstreut sind. 
Der interessanteste Abschnitt befindet sich zwischen Venzone und Spilimbergo im mittleren Teil des Tagliamento , wo der Fluss auf 30 Kilometern Länge einen gewaltigen Korridor von 150 Quadratkilometern Grösse mit vielen intakten Auen bildet. Vor 100 Jahren trug der Tagliamento noch mehr Geschiebe mit sich. Doch damals waren die Berge auch kahl und das Holz ein begehrter Rohstoff zum Heizen. Heute verhindern die Baumwurzeln der bewaldeten Region stärkere Erosion.

 

Mit dem Ochsenkarren über den Fluss

Der Tagliamento ist eine Herausforderung für jene, die mit ihm leben. Früher überquerten ihn die Menschen zu Fuss an besonders breiten Stellen, wo das Wasser seicht ist. Im Winter trieben sie die Ochsen durch die Furt und setzten sich auf einen Wagen. Heute gibt es Brücken und Autos. „Seit die Menschen am Fluss kein Feuerholz mehr sammeln, keine Steine mehr für ihren Häuserbau holen und nicht mehr fischen, haben sie sich innerlich von Tagliamento entfernt. Die fast intime Beziehung, die früher die Friauler mit dem Fluss verband, ist der Gleichgültigkeit gewichen.“ Sara Berra bedauert dies. Sie leitet das Naturschutzzentrum sowie den 500 Hektare grossen Naturpark beim Lago di Cornino, einem kleinen Weiher wenige Meter abseits des Tagliamento. Der See ist für seine spektakuläre Farbe berühmt, die er den Blau- und Grünalgen zu verdanken hat. Selbst bei bedecktem Wetter leuchtet das Wasser noch jadefarben. Sara Berra informiert Besucher über die abwechslungsreiche Rundwanderung, die ab hier gemacht werden kann und zeigt ihnen die Aufzuchtstation für den Gänsegeier, Habichtkauz und Uhu. Letzterer ist das Symboltier des kleinen Naturparks. Die Freisetzung der Geier begann schon vor 30 Jahren. Dodo war einer der ersten, der seine Flügel hoch über die benachbarten Dolomiten schwingen durfte. Er hätte die Freiheit geniessen können wie die Falken, die Königsadler und zahlreichen Habichte, die es hier gibt. Doch Dodo ist von den bald 100 frei gelassenen Geiern der einzige, der dies nicht zu schätzen wusste. „Er hält sich für einen Menschen. Deshalb ist er immer wieder hierher zurückgekommen und hat unsere Nähe gesucht“, vermutet Sara Berra und lacht. Nun hat er eine neue Voliere bekommen und geniesst Bleiberecht. Das kann lange dauern, denn ein Gänsegeier kann bis zu 70 Jahre alt werden. Dodo ist noch nicht einmal halb so alt.

 

Im Flussbett bis 50 Grad heiss

Wer von der Station aus den Lago di Cornino umwandert und die Strasse überquert, gelangt nach einer Viertelstunde an das Ufer des Tagliamento. Es lohnt sich, bei niederem Wasserstand weit hinaus zu gehen. Fast kommt man sich inmitten der Steine- und Schotterwüste ein wenig einsam vor. Im Sommer können sich die Steine bis auf 50 Grad aufheizen. Das machen sich Brutvögel zunutze, die ihre Eier zwischen die warmen Steine legen. Das erspart ihnen das aufwendige Brüten. Die Steine changieren in allen Erdfarben und Grautönen. Sie bildeten den Rohstoff für die grossartigen Mosaike, für die die Römerstadt Aquileia unweit der Mündung des Tagliamento berühmt war. Später bedienten sich die Venezianer der Mosaikkunst der Friauler, welche die Steine aus dem Tagliamento mitbrachten (siehe Box). Die Steine, das Schwemmholz, die Vögel und die trotzigen Pionierpflanzen, die an trockenen Stellen aus Erdrissen spriessen, laden zum Schlendern ein. Und so gleicht manche Spur der Besucher dem Schlängeln der zahlreichen Flussarme, die wie Adern auseinandergehen, bevor sie wieder zueinander finden, nur um sich erneut zu teilen. Von Pflanzen und Tieren, die hier leben, verlangt der Fluss eine hohe Anpassungsfähigkeit ab. Überschwemmungen und Trockenheit, Hitze und Kälte, aber auch Stürme müssen sie praktisch ungeschützt über sich ergehen lassen. Der Rückweg führt parallel zum Ufer auf eine Anhöhe, wo ein Aussichtspunkt einen Überblick ermöglicht über das Flussbeet und die vielen Inseln ermöglicht.

 

Traumatisches 1976

Auf der gegenüberliegenden Seite liegen einige Kilometer nördlich die Gemeinden Osoppo, Gemona und Venzone. Sie bildeten am 6. Mai 1976 das Epizentrum eines schrecklichen Erdbebens, das fast 1`000 Menschen das Leben kostete und 100’000 obdachlos machte. Auf der Richterskala wies es eine Stärke von 6,5 auf. Die internationale Solidarität war gross, und es blühte ein Sommer der Hoffnung. Dann kam die Zeit zwischen dem 11. und dem 15. September mit mehreren neuen Erdstössen, von der der damalige Erzbischof von Udine, Alfredo Battisti, sagte: „Das Erdbeben vom 6. Mai hat das Friaul zerstört; das Erdbeben im September hat die Friauler zerstört.“ Eines der neuen Beben wies erneut eine Stärke von über 6 auf der Richterskala auf. Die Einwohner waren demoralisiert und flohen zu Tausenden. Doch der Wiederaufbau gelang. Venzone sieht man nichts mehr an. Die Altstadt ist restauriert und lädt zum Flanieren ein. Die interessante Ausstellung „Tiere Motus“ im Palazzo Orgnani Martina in Venzone erinnert an den Sommer vor bald 35 Jahren. Das Erdbeben war nicht das einzige dramatische Ereignis in der jüngeren Geschichte des Tagliamento. Sehr alte Menschen können sich noch heute an die erbitterten Kämpfe im ersten Weltkrieg erinnern, wo der Tagliamento die Grenze zwischen Österreich-Ungarn und Italien bildete. 1917 fand hier einer der kriegsentscheidenden Schlachten statt. Noch heute sieht man in jedem als Unterstand brauchbaren Fels ein Loch, aus dem damals scharf geschossen wurde.

 

Als Offroad-Rennpiste missbraucht

Heute ist es am Tagliamento ruhiger geworden. Neben den wenigen Touristen interessieren sich vor allem Wissenschaftler für den Fluss. Hydrologen kommen sogar aus Japan hierher, um aus erster Hand zu studieren, wie sich ein Gewässer ohne Fesseln verhält. Denn Renaturierungen von Flüssen sind nicht nur in der Schweiz ein Thema. Wegen seiner Bedeutung möchte die Provinzregierung das Gebiet gerne zum Biosphärenreservat der Unesco erheben. Doch genau das findet die Umweltwissenschaftlerin Danusia Pioversana ziemlich verfrüht. „Die Regierung plant drei grosse Rückhaltebecken, um den Unterlauf, dort, wo das Wasser nach dem Versickern wieder ans Tageslicht tritt, vor Überschwemmungen zu schützen. Der schwerste Eingriff ist im mittleren Teil geplant, wo der Tagliamento ökologisch besonders wertvoll ist. Ausserdem bestehen in fast jedem Seitental mit Zuflüssen Ausbaupläne, um das Wasser als Energieträger zu nutzen.“ Ein weiteres Problem sieht Pioversana im Verhalten der Gemeinden am Oberlauf. Sie betonieren die Flussbette der Zuflüsse, damit das Wasser schnell abläuft. Das verschärft unten die Überschwemmungsprobleme. Sie fordert ein Management, welches das ganze Gebiet des Tagliamento mit einbezieht. Damit könnte man dann vielleicht auch wirksamer gegen die illegale Nutzung des Flussbetts als Offroad-Rennpiste vorgehen, die vor allem bei Österreichern beliebt ist.

 


Ein Fluss als Offroader-Paradies für Egomanen. 

 

Die WWF-Mitarbeiterin ist dennoch optimistisch. „Das Gebiet hat ein grosses touristisches Entwicklungspotenzial. Wenn das die Menschen einsehen, tragen sie der Landschaft Sorge.“ Bei den Jungen hat sie bereits eine Veränderung festgestellt. „Dass Wissenschaftler aus der ganzen Welt herkommen, um diesen Fluss zu studieren, macht sie stolz. Sie merken: Der Tagliamento ist etwas ganz Besonderes.“

Erdbebenmuseum, Palazzo Orgnani Martina, Venzone: www.tieremotus.it

 

 

Die Farbenkünstler am Fluss


Eine Tradition seit der Zeit des grossen Roms: Mosikkunst im Friaul.

 

Die bekannte Mosaikschule von Spilimbergo setzt die jahrtausendealte Tradition der Mosaikkunst im Friaul fort. 92 Studenten aus 23 Ländern lernen hier die Kunst, mit Steinen Gemälde zu legen. Von Anfang an spielt der Tagliamento eine wichtige Rolle. Hier muss jeder Student und jede Studentin ein bis zweimal jährlich etwa 10 Kilogramm geeignete Steine in allen Farben suchen. Sie werden am Ufer grob in eine nützliche Grösse gehauen. Der Tag endet meist mit einem Fest am Flussufer. Im ersten Jahr lernen die Schüler griechisch-römische Mosaike nachzubilden. Danach folgt im zweiten Jahr die Kunst der Byzantiner.


Mosaikarbeiten verlangen eine grosse Konzentration. 

 

Im dritten Jahr werden die Arbeiten freier. Es werden auch andere Materialien verwendet, und es entstehen grossflächige Mosaike in der Gruppenarbeit. Die Werke aus Spilimbergo sind weltweit zu sehen. Hier entstand auch das Mosaik „irrisierender Blitz“, das heute die U-Bahn-Station „Ground Zero“ ziert.

www.scuolamosaicistifriuli.it

 

 

 

 

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