Kunst

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INNSBRUCK. Bereits jetzt wird in den Häusern der Tiroler Landesmuseen-Betriebsgesellschaft, dem Tiroler Volkskunstmuseum, dem Ferdinandeum, dem Museum im Zeughaus und sowie dem Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum mit Hochdruck an Ausstellungen für das Jahr 2018 gearbeitet. Werfen daher auch wir jetzt schon einen Blick auf die engagierten Projekte.

 
Retabelbild, Arme Seelen im Fegefeuer, Mitte 18. Jahrhundert, Öl auf Holz (Ausschnitt). Exponat der Ausstellung „Feuer“, 18.05. – 04.11.2018 im Tiroler Volkskunstmuseum. Foto: TLM.

Flammendes. Feuer ist eine höchst zwiespältige Angelegenheit: Es ist eine der Voraussetzung des menschlichen Lebens, das es aber gleichzeitig auch bedroht. Genauer betrachtet: Feuer besitzt einerseits mythisch-religiöse Bedeutungen (Oster-, Höllen-, Fegefeuer etc.). Es erfüllt andererseits aber auch wesentliche profane Aufgaben: Feuer spendet die gerade im alpinen Raum überlebenswichtige Wärme. Es bringt Speisen zum Kochen und schafft Licht in der Dunkelheit. Aber das Feuer muss auch stets in Schach gehalten werden, sonst zerstört es Leben und dessen Grundlagen. Aber auch die Vorstellung, dass Feuer vom Bösen reinigen kann, gibt es: Daher verbrannten Menschen andere am Scheiterhaufen, „um deren sündigen Seelen zu reinigen“ – ähnlich der Läuterung der „armen Seelen“ im jenseitigen Fegefeuer.
Doch auch die Liebe in all ihren Facetten ist feurig: "Nur wer brennt, kann andere entzünden", notierte Augustinus. Der brennenden Liebe steht wiederum das strafende Flammenschwert gegenüber, das Furcht und Angst verbreitet. Genau diese Ambivalenzen des Phänomens Feuer wird die Schau im Tiroler Volkskunstmuseum ihren Besuchern vermitteln.
FEUER. 18.05. – 04.11.2018, Tiroler Volkskunstmuseum, Innsbruck.


Max Weiler, Die Bauernfamilie, 1941. Exponat der Ausstellung „Kunst 1938 – 1945“, 14.12.2018 – 07.04.2019 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Foto: TLM.


Harald Pickert, Zyklus Radierungen Pestbeulen Europas, 4. Blatt. Exponat der Ausstellung „Harald Pickert. Bilder aus Dachau“, 14.12.2018 – 07.04.2019 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Foto: TLM

Angepasst? Geduldet. Verfolgt! „Deutsch sein heißt klar sein!“, tönte Adolf Hitler in seiner Rede zur Eröffnung der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ 1937 im „Haus der Deutschen Kunst“ in München. Dort sollte „nur das Vollkommenste, Fertigste und Beste […], „was deutsche Kunst zu vollbringen vermag“ zu sehen sein. Denn „Problematisches und Unfertiges hat jetzt und nie im Haus der Deutschen Kunst Aussicht auf Annahme.“  Der Nationalsozialismus äußerte sich nur vage über die von ihm geforderte neue deutsche Kunst – verunglimpfte jedoch auf geradezu fanatische Weise die Moderne. Das Ergebnis der staatlich gelenkten Kunstproduktion war jedenfalls die Visualisierung einer „heilen Welt“, die den Betrachter auf den NS-Staat und dessen rassistische Ideale der „Stärke, Schönheit und Reinheit“ des „arischen“ Menschen einschwören sollte. 2018 sind 80 Jahre seit dem sogenannten „Anschluss Österreichs“ an das Deutsche Reich vergangen. Aus diesem Anlass gibt es im Ferdinandeum zwei Ausstellungen, die untersuchen, was die Machtübernahme der Nationalsozialisten für die Künstler in Tirol bedeutete. Wie reagierten sie? Manche Künstler arrangierten sich mit dem System. Andere wurden von diesem geduldet oder negiert. Oder verfolgt: So der Kufsteiner Maler und Radierer Harald Pickert (1901-1980). Er war aus politischen Gründen zwischen 1940 und 1945 in Konzentrationslagern interniert. Unter extremen Bedingungen fertigte er Skizzen vom Miterlebten im Konzentrationslager Dachau an. Diese erschütternden Zeichnungen werden unter dem Titel „Bilder aus Dachau“ erstmals öffentlich präsentiert.
KUNST 1938 – 1945. | HARALD PICKERT. BILDER AUS DACHAU. 14.12.2018 – 07.04.2019, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck.

Plakat der Innsbrucker Firma Josef Holzhammer für Dürkopp-Fahrräder, 1904, Farblithographie. Exponat der Ausstellung „Frischluft? Freiheit! Fahrrad!“, 04.05.2018 – 06.01.2019 im Museum im Zeughaus. Foto: TLM.

Schwing Dich – aufs Fahrrad! „I want to ride my bicycle - bicycle - bicycle. I want to ride my bike. I want to ride it where I like“ bekannten lautstark 1978 die Mitglieder der Band „Queen“ und schufen damit eine legendäre Fahrrad-Hymne. 40 Jahre später, ab 18. Mai 2018, werden sich die Besucher des Museums im Zeughaus quasi auch aufs bike schwingen und in die Jahre um 1900 zurückfahren können. Damals erlebte der Drahtesel einen ungeheuren Boom. Allerdings waren die Benützerinnen im Vergleich zu den Fahrradfahrerinnen im Video zu Queens „Bicycle Race“ wesentlich „züchtiger gekleidet. 2018 findet auch die Fahrrad-Weltmeisterschaft in Tirol statt. Grund genug, sich mit dem Fahrrad als individuelles, einfaches, rasches und ökologisch verantwortliches Fortbewegungsmittel zu beschäftigen. Die Ausstellung spannt den Bogen von den Ursprüngen bis in die Gegenwart des Transport-, Freizeit- und Sportgerätes.
FRISCHLUFT? FREIHEIT! FAHRRAD! 04.05.2018 – 06.01.2019, Museum im Zeughaus, Innsbruck.


Künstlerische Arbeit von Gitti Schneider. Exponat der Ausstellung „Gitti Schneider. Dass sich der Himmel über mir kläre“, 20.07.- 07.10.2018 im Tiroler Volkskunstmuseum. Foto: Tillmann Schneider.

Brot für alle. Der Urgroßvater der Innsbrucker Künstlerin Gitti Schneider war Geschäftsführer der Ersten Tiroler Arbeiterbäckerei (ETAB) in Innsbruck, die wichtig für die Versorgung der Innsbrucker Bevölkerung mit Brot war. Schneider arbeitet heute künstlerisch im Gebäude dieser Bäckerei. Aus diesen persönlichen Verknüpfungen schafft sie eine künstlerische Intervention aus fragilen Papierbahnen, die sich als Metapher für das Vergangene versteht. Sie wird im Kreuzgang des Tiroler Volkskunstmuseums zu sehen sein.
GITTI SCHNEIDER. DASS SICH DER HIMMEL ÜBER MIR KLÄRE. 20.07. – 07.10.2018, Tiroler Volkskunstmuseum, Innsbruck.

Lukas Cranach d. Ä, Hl. Hieronymus in der Einöde, um 1525. Exponat der Ausstellung „Cranach natürlich. Hieronymus in der Wildnis“, 02.03. – 07.10.2018 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Foto: TLM.

Nicht nur Naturbild. Das Gemälde „Hl. Hieronymus in der Einöde“ (um 1525) von Lucas Cranach d. Ä. (1472-1553) in der Sammlung des Ferdinandeums steht im Mittelpunkt der Schau, die zurecht „Cranach natürlich“ heißt. Denn die detaillierte Wiedergabe von Tieren und Pflanzen waren dem Maler äußerst wichtig. Gleichzeitig trifft aber in dem genannten Gemälde auf in der Natur exakt Beobachtetes höchst Wundersames. Und: Reales übernimmt die Aufgaben von Symbolen – die es am 2014 restaurierten Cranach-Meisterwerk zu erkennen und zu entschlüsseln gilt. Dazu werden Pflanzen und Tiere am Gemälde identifiziert und entsprechenden Tier- und Pflanzenpräparaten gegenübergestellt. Um den „Hl. Hieronymus in der Einöde“ gruppieren sich weitere Cranach-Bilder aus der Sammlung des Ferdinandeums, die von Leihgaben aus dem Kunsthistorischem Museum Wien ergänzt werden. So können Veränderungen in der Darstellung des heiligen Einsiedlers im Laufe der malerischen Auseinandersetzung Cranachs erkannt werden. Parallel dazu wird auch die Geschichte der Verehrung des heiligen Hieronymus erzählt. Ein äußerst vielschichtiges Projekt, das auch dadurch besonders interessant ist, da Cranach das sehr bekannte und verehrte Gnadenbild Mariahilf schuf, das sich heute am Hochaltar des Doms in Innsbruck befindet.
CRANACH NATÜRLICH. HIERONYMUS IN DER WILDNIS. 02.03. – 07.10.2018, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck.


Der Komponist Josef Pembaur mit drei Damen am Klavier, um 1930, Schwarz-Weiß-Foto.
Exponat der Ausstellung „Stereo-Typen. Gegen eine musikalische Mono-Kultur“, 27.04. – 28.10.2018 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum. Foto: TLM.

Über Musik nachdenken. „Das Publikum begleitete das Ganze mit Klopfen und Trommeln und wogte unter der Melodie wie ein Kornfeld im Winde. Harriet machte sich zwar nichts aus Musik, aber sie wusste, wie man sie zu hören hatte. Sie stieß ein scharfes ‚Schscht!‘ aus.“ Beim „Ganzen“ handelte es sich hier um die Aufführung der Donizetti-Oper „Lucia di Lammermoor“ im Opernhaus einer italienischen Kleinstadt, geschildert von Edward Morgan Forster in seinem Roman „Where Angels Fear to Tread“ (1905). „Autoritäten“ scheinen also zu „wissen“, „wie“ man Musik zu hören hat. Diese und andere „Stereo-Typen“ präsentiert eine Ausstellung im Ferdinandeum: Dazu werden „Räume“ errichtet, die unterschiedlichsten Musik-Qualitäten gewidmet sind: So ist das „Unterrichtszimmer“ der schulischen, in der Vergangenheit nicht immer ganz „spannungsfreien“ Musikerziehung gewidmet. In der „Werkstatt“ des 2016 verstorbenen Geigenbauers Ulrich Roth werden hingegen Instrumente gebaut. Weitere „musikalische Räume“ sind der bürgerliche „Salon“ und als „Höhepunkt“ der „Konzertsaal“: In dieser „Weihstätte der Klassik“ kann sich eine „große Abendgesellschafft“ schnell in „eine Gebetsversammlung“ verwandeln. (E. M. Forster). Aber auch eine bäuerliche „Stube“, Ort des traditionellen Musizierens, wird es geben. In all den genannten „Musikräumen“ agieren selbstverständlich die erwähnten „Stereo-Typen“: „Wissende“ Lehrer sind mit „übenden“ Schülern konfrontiert. Experten „mit höheren Weihen“ treffen auf „flüchtige“ Konsumenten. „Göttlich singende“ Opernstars brauchen „geneigte“ Zuhörer. In ihrer Gesamtheit wird die Schau so einen Musik-Kosmos schaffen, in dem intensiv über die Bedeutungsebenen von Musik – durchaus kritisch – nachgedacht werden kann. Anlass dazu ist das 200-Jahr-Jubiläum des Innsbrucker Musikvereins (1818-2018).
STEREO-TYPEN. GEGEN EINE MUSIKALISCHE MONO-KULTUR. 27.04. – 28.10.2018, Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum, Innsbruck.


Exponat der Ausstellung „Nächstenliebe im Krieg. Militärische Sanitätsversorgung bis 1918“, 23.02.2018 – 20.01.2019 im Tirol Panorama mit Kaiserjägermuseum. Foto: Archiv Clam Gallas-Winkelbauer.

Die Nächstenliebe arbeitet im Lazarett. Im Kaiserjägermuseum am Bergisel im Süden von Innsbruck zeigt eine Ausstellung den Einsatz von Ärzten und – vor allem auch – Rotkreuzschwestern an und hinter der Front, in Kriegs- und Heimatlazaretten bis 1918. Wie wurde unter unvorstellbaren Bedingungen „im Feld“ operiert und versucht Zerstörte, zu „heilen“? Verursachte doch die „moderne“ Kriegsführung neue Verletzungen, Krankheiten – unzählige Verwundete, Traumatisierte, Dauerinvalide. Welche medizinischen Geräte und welche Medikamente standen zur Verfügung, um zu helfen? Fragen, die die Schau beantwortet, aber auch die Liebe zum Nächsten erahnen lässt.
NÄCHSTENLIEBE IM KRIEG. MILITÄRISCHE SANITÄTSVERSORGUNG BIS 1918. 23.02.2018 – 20.01.2019, Das Tiroler Panorama mit Kaiserjägermuseum, Innsbruck.

TIROLER LANDESMUSEUM FERDINANDEUM
Innsbruck, Museumstraße 15
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 9:00 bis 17:00 Uhr
www.tiroler-landesmuseen.at

Zum Autor DR. HELMUTH OEHLER:
www.helmuth-oehler.at
www.facebook.com/people/Helmuth-Oehler/100012861840674

 

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