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„Für immer Juliette“ ist ein weiterer Erzählband der Walliser Autorin S. Corinna Bille. Endlich liegen die Spielarten der Liebe in deutscher Übersetzung vor.

Corinna Billes Prosa klingt weltentrückt. „Die Fischer gleiten in ihrer Barke stehend dem Nebel zu, und die Liebe kommt langsam über das Meer.“ Voll Poesie und starker Bilder sind ihre acht Erzählungen im Band „Für immer Juliette. Alles dreht sich, wie so oft in Billes Schreiben, um die Liebe. Schon die erste Erzählung nimmt den Leser mitten hinein in das verliebte, erblühte Antlitz der jungen Juliette. „Jetzt löst sie die Bänder ihrer Espadrilles mit den dicken geflochtenen Sohlen (Romano wirft sich ins Meer, wir beide folgen ihm mit dem Blick) und sie senkt aus Erregung den Kopf, da ist nur noch die Nase, das funkelnde Mahagoni ihrer Augen durch die Strähnen hindurch und, wenn du Glück hast, Romano, ihr Lächeln“! Doch die Mutter ist nicht nur entzückt. In ihre Beobachtungen mischt sich auch das Bedauern über ihre verflossene Jugend.

Und immer wieder die Natur
Ungestilltes Verlangen und Sehnsucht hingegen regieren in der Geschichte „In die wilde Rose beissen“. Die Protagonistin Helena, Erzieherin in einer Ferienkolonie, ist verliebt in einen ihrer bildhübschen, minderjährigen Zöglinge, den 13jährigen Laurent. Es ist wie ein Tanz, den beide aufführen, ohne jemals zusammen zu kommen. Billes sinnliche Naturmetaphern unterstreichen diese leidenschaftliche, wie ausweglose Situation. Der Geruch des Unterholzes, Gras, Sand, Schnee und immer wieder der Wald. Er spielt in Billes Büchern eine zentrale Rolle als Kulisse. Am eindrücklichsten tritt er im Roman „Dunkle Wälder“ entgegen, den der Rotpunktverlag 2012, anlässlich Billes 100. Geburtstag auflegte. Die autobiographischen Parallelen im Buch sind offensichtlich.

 

Ihrer Zeit voraus: Die Walliser Autorin S. Corinna Bille (Bild:Rotpunkt)

 

Kräftezehrendes Schreiben
Das Wallis war der Lebens- und Schreibort der Westschweizer Autorin und ihrem Mann Maurice Chappaz. Im Chalez Val Vernys lebten und arbeiteten sie zusammen. Das Wallis kann auch als Mittelpunkt ihres dichterischen Schaffens bezeichnet werden. Von vielen Reisen nach Afrika, Nepal, und Russland, England, Irland, Deutschland und dem Libanon kehrte sie immer wieder hierher zurück. Und musste sich ihr Werk hart erkämpfen, Finanzsorgen, viele Wohnortwechsel, Krankheiten und drei Kinder, erschwerten noch die ohnehin schwierige Suche nach einem Verlag. Ein eigenständiges Werk hat sie trotz widriger Umstände schaffen können: Gedichte, Romane, Erzählungen und dramatischen Arbeiten. „Für immer Juliette“, erschien bereits 1971 in der Originalausgabe „Juliette éternelle“. Ins Deutsche übersetzt wurde es von Lis Künzli, der es gelungen ist, die leichte, schwebende wie sinnliche Sprachkraft zu bewahren. Ein weiterer Band von Billes Werk ist damit im Zürcher Rotpunktverlag erschienen. Und sie zeigt sich damit auf dem Höhepunkt ihrer erzählerischen Arbeit.

Frauen: Unerfüllt, ver-rückt und obsessiv
Die Liebesgeschichten bergen ein Geheimnis, wie die unerfüllte Liebe von Cecilia. Aus ihren Tagebucheinträgen erfahren wir von ihrem Aufenthalt im Sanatorium, von ihren enttäuschten Gefühlen. Eine Verrückte? „Ich verlor Leben, wie man sein Blut verliert“. Sie masturbiert mit einem Eiszapfen. Ihr Freund Philippe ist kalt mit ihr. Es bleibt ihr schliesslich nur die Rache an den Papageien im Glaskäfig. Die Frauenfiguren, sie warten, auf die Erwiderung ihrer Liebe, auf die Rückkehr ihrer Geliebten. Zum Warten verdammt, das Begehren vergeht, die Zuneigung erlischt. So auch in „Masken“. Clement und seine schwangere Frau wandern ins Lötschental, Gereiztheit herrscht vor. Das Finale macht „Flucht im Dezember“. Die Protagonistin Blanca lebt ein ruhiges Leben, verliebt ist sie nicht mehr. Bis die Fünfzigjährige ein Bündel Frauenbriefe entdeckt und ihren Mann zur Rede stellt. Ein genial erzählter Dialog folgt, geprägt von Macht und Ohnmacht in der Liebesbeziehung. Mit ihren Frauenfiguren war Bille ihrer Zeit weit voraus, nicht nur wegen der verwegenen Erotik.

Das Buch: S. Corinna Bille: Für immer Juliette. Erzählungen. 296 Seiten, gebunden. Rotpunktverlag Zürich 2017. ISBN 978-3-85869-741-7, 25.00€

Link: 

"Für immer Juliette" ist im Rotpunkt Verlag erschienen

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