gorges_du_durnand.jpgaareschlucht.jpgsnsegraben_torenoeli.jpgalp_tavrue.jpglugano.jpgglaubenbielen.jpgcamana.jpghalsesee.jpg

Ernst Bromeis: Die eigenen Grenzen erfahren


Der Bündner Ernst Bromeis hat nun schon manchen See und Wasserlauf durchschwommen und dabei Höhen und Tiefen erlebt. Was ihn zu diesen ungewöhnlichen  Leistungen antreibt, das hat er dem Alpenmagazin anvertraut.

Ein Grenzgänger am und im Wasser: Ernst Bromeis (Bild: zVg)

Ernst Bromeis, lassen Sie uns das Thema mit dem nötigen Ernst angehen. Wenn Gott gewollt hätte, dass wir uns wie Fische im Wasser fühlen, hätte er uns dann nicht Flossen und Kiemen wachsen lassen?

Interessanterweise kommen wir ja evolutionsgeschichtlich aus dem Wasser. Deshalb gibt es diese starke Beziehung zwischen Mensch und dem nassen Element. Es ist das Element, das uns verbindet, auch schicksalhaft. Und genau deshalb widme ich mich intensiv dem Thema. Wir haben uns im Laufe der Jahrtausende mental vom Wasser entfernt, dennoch ist es für uns essentiell, und das gilt für alle Kulturen. Ich sehe meine Aufgabe darin, den Menschen das Wasser in dieser Hinsicht wieder näherzubringen.

Was hat Sie am Schwimmsport so stark fasziniert, dass sie Extremschwimmer geworden sind?

Extremschwimmer? Diesen Begriff vermeide ich. Vielmehr betrachte ich mich als Grenzschwimmer, so wie sich der Bergsteiger Reinhold Messner als Grenzgänger versteht. Ich versuche in Regionen vorzustossen, die mich an Grenzen bringen, psychisch wie physisch. Das hat überhaupt nichts zu tun mit Hochleistungsschwimmen in einem Becken. Ich lasse mich auf ein anderes Element, auf eine andere Umgebung ein, in der ich mich zurechtfinden muss. Das ist ein wesentlicher Unterschied zum Land, auf dem der Sportler festen Boden unter den Füssen hat.

Sie hatten sich vorgenommen, bei einem Ihrer Projekte 200 Bündner Seen zu durchschwimmen, warum denn gleich so viele?

Alleine mein Heimatkanton besitzt gut 700 unterschiedlich grosse Seen. Davon habe ich 200 ausgewählt, wobei der Silsersee der grösste ist. Ich wollte bei dieser Aktion Grenzerfahrung sammeln, und das ist viel eher möglich, wenn man länger unterwegs ist. Denn am schnellen Kick bin ich nicht interessiert. Für das, was ich vorhabe, braucht man Zeit. In meinem Fall waren es zwei Monate, pro Tag habe ich im Schnitt vier bis fünf Seen durchquert. Von See zu See war ich entweder mit dem Mountainbike oder zu Fuss unterwegs. Ein Neopren-Schutzanzug war unerlässlich, in den höheren Lagen treiben in einigen Seen selbst im Sommer noch Eisschollen. Jeder See hat seinen individuellen Charme, seine eigene Seele. Besonders hat mir dabei gefallen, dass meine Durchquerung keine sichtbaren Spuren hinterlassen hat.

Von sporadischen Medienkontakten abgesehen, sind sie bei diesen Aktionen alleine. Woran denken Sie in solchen Momenten?

Was mir da durch den Kopf geht, hängt entscheidend davon ab, wie ich mich gerade fühle.  Als ich den Lago di Poschiavo durchschwamm, haben sich plötzlich Krämpfe eingestellt, da setzte ich alles daran zu überleben. Es entwickelte sich ein Dialog zwischen meinem Verstand und meinem Körper, die Krämpfe hatten mich eine Zeitlang völlig im Griff. Da ist es überlebenswichtig, die Schmerzen ganz pragmatisch auszuhalten. Im riesigen Genfersee wäre ich fast verzweifelt, immer wieder kam die Frage hoch: kann ich das überhaupt schaffen? Wasser hat ja bekanntlich keine Balken, ich konnte mich nirgends festhalten. In solchen Situationen muss ich mich als Grenzschwimmer auf das Wesentliche konzentrieren, ich darf nur noch für den Moment leben, und dabei zählt jeder einzelne Schwimmzug, der mich ans Ziel bringt, ohne dass ich dabei ständig ans Endziel denke.

Wie bereiten Sie sich auf Ihre Einsätze vor?

Wichtig ist für mich gewissenhaftes Trainieren - Langlauf, Krafttraining und Biken. Beim Graubündenprojekt ging es darum, sich an die Wasserkälte zu gewöhnen. Bisweilen suchen mich vor meinen Einsätzen Alpträume heim, ich gehe unter, ertrinke. Das ist enorm belastend, ich denke dann ständig darüber nach. Mit grösster Sorgfalt bereite ich meine Einsätze vor, theoretisch sollte man immer besser vorbereitet sein, als es die zu erwartende Ausgangslage erforderlich macht. Grundsätzlich sehe ich davon ab, mich zu verausgaben, denn man braucht möglicherweise eine Kraftreserve, sollte etwas Unvorhersehbares eintreten.

Sie wollen nicht nur als Sportler wahrgenommen werden, sondern treten als „Wasserbotschafter“ auf. Wie lautet Ihre Botschaft?

Unser Wasservorrat ist endlich, das nasse Element ist fragil, davon bin ich felsenfest überzeugt. Es gibt zwar global genügend Trinkwasser für alle, eine Milliarde Menschen jedoch haben keinen Zugang zu sauberem Wasser. Als Botschafter will ich das Thema international so differenziert wie möglich diskutieren. Es kann nicht angehen, dass dem schieren Überfluss auf der einen Seite der krasse Mangel auf der anderen entgegensteht. Es geht mir vor allem um die ethische Komponente in der Diskussion um die Wasserverteilung und ich trete dafür ein, dass auch in wasserreichen Ländern damit sparsam umgegangen wird. Denn wer bei uns in den Alpen Wasser spart, der spart Energie. 

Sie arbeiten am Aufbau einer Stiftung als Trägerin eines in Graubünden geplanten „Wasserkompetenzzentrums“. Welche Ziele steuern Sie damit an?

Es geht mir in erster Linie um die Bildung. Nicht nur Schulklassen, alle Interessierten will ich mit dem Zentrum ansprechen. Als Standort denke ich an das unterengadinische Scuol, eine mit Wasser gesegnete Gegend, in der sich exemplarisch zeigen lässt, wie abhängig selbst sie ist. Im Vordergrund steht neben dem Bildungsaspekt der internationale Austausch, denn man lernt vor allem voneinander. Nur über eine verbesserte Bildung verspreche ich mir Chancen für nachhaltige Veränderungen auf diesem Gebiet. Als zentral betrachte ich die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern, auch die Tourismusbranche zählt dazu. Denn wer das Zentrum aufsucht, wird durch seinen Aufenthalt zu einem willkommenen Umsatzplus beitragen.

(Kasten)

ERNST BROMEIS, Bündner Wasserbotschafter und Grenzschwimmer (44) war anfangs als Primarschullehrer tätig, bevor er an der Universität Basel Sport studierte. Er wirkte als Verbandstrainer des Schweizer Triathlon-Teams und arbeitete als touristische Fachkraft in Lenzerheide. Als Selbständiger hat er 2008 das Unternehmen „Das blaue Wunder“ gegründet. Er ist verheiratet und lebt mit Frau und den drei Kindern in Davos.

www.dasblauewunder.ch

 

 

 

 

Schweiz. Greina-Stiftung – Zur Erhaltung der alpinen Fliessgewässer

Bergwald-Projekt

alpentaxi.ch

alpentaxi.ch

Alpine Pearls - Natürlich Sanfter Urlaub

Pressebüro Seegrund – Sankt Gallen (CH)